Chrissi’s World

The Harlem Globetrotters: Legendäre Basketballshow

März 6, 2008 · Kommentar schreiben

Bremerhaven (co). Wildkat, Special K und Scooter – keine Raubtiere, Frühstückscerealien oder Techno-Produzenten, sondern Basketballer der Harlem Globetrotters. Die Mannschaft gilt nicht nur als Erfinder des legendären Slam Dunks, sondern ist auch ein bedeutendes Kapitel der Basketballhistorie. Inzwischen ist die Mannschaft als Showtruppe unterwegs – mit akrobatischen Höchstleistungen, die mindestens genauso ausgefallen sind wie ihre Spitznamen…

Chaotisch, witzig und unsagbar „cool“: Wenn sich die Zwei-Meter-Riesen der Harlem Globetrotters bei ihren Shows kopfüber am Korb festklammern und einen Slam Dunk nach dem anderen verbuchen, sitzen auch Promis wie Pamela Anderson, Jodie Foster und Sharon Stone im Publikum und geraten ins Staunen. Eine Basketball-Show mit Lachmuskeltraining-Garantie lieferten „Big Easy“ & Co. auch auf dem Parkett der Bremerhavener Stadthalle ab. „Let me entertain you“, lautet die Devise des Teams. Sie tanzen, jonglieren, werfen Wasser, Konfetti und Bälle ins Publikum. Vor allem die kleinen Zuschauer werden aufs Korn genommen. Big Easy schnappt sich einen Jungen aus der Zuschauermenge. „My son“, nennt er ihn. Und ja – der Sohnemann muss sich einiges gefallen lassen: „Airport“ klaut ihm kurzerhand seine Jacke und zwengt sich selbst hinein. Indessen animiert der Rest der Mannschaft ihn, absurde Tanzbewegungen zu imitieren. Sohnemann macht mit und das Publikum gröhlt. Doch er ist nicht der Einzige, den die Harlem Globetrotters in Verlegenheit bringen: Die 19-jährige Nicole Maly wird von Big Easy aufs Spielfeld gezogen. Der Zwei-Meter-Mann will nicht nur einen Kuss auf die Wange, nein – kurzerhan beschließt er „Her, me, America – we’re leaving“. Doch Nicoles Freund hatte Glück – das Publikum animierte Big Easy mit jeder Menge Applaus zum Bleiben.

Obwohl die Show der Harlem Globetrotters es einem Basketball-Zirkus gleichtut, stellen die US-Amerikaner ganz nebenbei das unter Beweis, wofür sie so berühmt sind: Ihr Können. „Airport“ (zu Deutsch Flugplatz) nennt sich der Spieler mit der Nummer 6 auf dem Trikot – zu Recht. Mit einem Absprung als hätte er Sprungfedern in den Sohlen, fliegt der gebürtige Amerikaner aus Louisiana förmlich zum Korb. Drei Bälle gleichzeitig Jonglieren – kein Problem für Harlem-Profis wie „Stormin“.

Eine perfekt inszenierte Show im amerikanischen Stil: Nicht nur die Musik ist frisch aus den US-Charts importiert, auch die Outfits im rot-blau-weißem „Stars and Stripes“-Look lassen auf allerlei Vaterlandsliebe der Basketball-Showtruppe schließen. Der ausgewachsene Patriotismus der Harlem Globetrotters hat seinen Grund. Die Mannschaft ist seit der Gründung im Jahr 1926 nicht nur ein Meilenstein der Basketballgeschichte, sondern auch im Kampf gegen die Rassendiskriminierung von Afroamerikanern.

Schwarze wurden in den USA bis in die 50er-Jahre für die Basketball Profi-Ligen gesperrt. So glich es schon fast einer kleinen Revolution, als der jüdische Unternehmer Abe Aperstein die Harlem Globetrotters gründete – eine Basketballmannschaft, die auch schwarze Spieler aufs Feld schickte.

Während die Spieler aus Chicago anfangs gegen meist schwächere Mannschaften antraten, gelang im Februar 1948 der Durchbruch: Mit 61 zu 59 Punkten besiegten sie das damalige Top-Team der NBA, die Minneapolis Lakers. Ein Jahr später konnten sie den Coup wiederholen und sorgten mit ihrem Wahnsinnserfolg dafür, dass Globetrotters-Spieler Nathaniel Clifton als erster Afroamerikaner für die NBA verpflichtet wurde. Am 22. August 1951 spielten die Harlem Globetrotters im Berliner Olympiastadion vor 75 000 Zuschauern – der größten Kulisse, die es bei einem Basketballspiel je gab.

Schon früh machte sich das Team durch seine spielerische Finessen einen Namen. Unerwartete Pässe, blitzschnelle Dribbel und den Ball über die Arme rollen lassen. Mit ihren Tricks und Showeinlagen verwirrten die Globetrotters nicht nur ihre Gegner, sondern gewannen auch die Herzen der Zuschauer. Selbst bekannte NBA-Größen wie Magic Johnson und Michael Jordan ließen sich von diesem Können inspirieren.

Inzwischen sind die Harlem Globetrotters weltweit als Basketball-Showtruppe unterwegs. Sie sind innerhalb der letzten 80 Jahre in 118 Länder auf sechs Kontinenten gereist und haben mehr als 125 Millionen Fans begeistert. Dass das Ganze mittlerweile nur Show ist und die Harlem Globetrotters genau aus diesem Grund auch jedes Mal gewinnen, stört im Publikum kaum jemanden. Es geht um Unterhaltung. Den historischen Hintergrund des Teams hat wohl kaum einer der Zuschauer im Kopf, wenn Big Easy gerade mal wieder seine Shorts vom gegnerischen Team runtergezogen bekommt. Sind die Harlem Globetrotters zu einer Lachnummer geworden? – Ja, aber im positiven Sinne. “Wir wollen den Menschen ein Lachen ins Gesicht zauber”, sagt Big Easy. Ob das Team immer noch in der Lage wäre, eine Erst-Liga-Mannschaft wie zum Beispiel die Bremerhavener Eisbären zu schlagen? “Klar ist das möglich”, sagt Big Easy voller Überzeugung. Na wenn das mal nicht auch einer seiner Witze war…

In Amerika widmete der Fernsehsender CBS der Mannschaft sin den 70er-Jahren sogar eine eigene Cartoonserie. „The Harlem Globetrotters Show“ lief zu bester Sendezeit und brachte unerreichte Einschaltquoten. Das wohl berühmteste Mitglied der Mannschaft: der Papst. Bei einem Besuch im Vatikan im Jahr 2000 wurde Papst Johannes Paul II. zum Ehrenmitglied der Globetrotters ernannt.
 

Kategorien: Basketball
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