Klick hier, Klick da und schon hat sich Frau durch einen der zahlreichen Psycho-Test im Netz manövriert – mit der Hoffnung, ein weiteres Stück des eigenen Ichs zu entschlüsseln und dabei möglichst gut abzuschneiden. Die Ergebnisse solcher Tests sagen erwartungsgemäß alles und nichts – schließlich sind sie so formuliert, dass sich jede irgendwo zwischen „den Zeilen der Weisheit“ wieder findet. Also werden lobende Beurteilungen dankbar angenommen, alles Negative wird als Fehlinterpretation abgetan. Wie bei Horoskopen eben…
Ja, auch ich konnte der Verlockung nicht widerstehen, herauszufinden, wie lange ich denn nun noch Single bleiben werde – schließlich sind es schon fast zwei Jahre des….des Alleinseins?…oder doch eher der Unabhängigkeit? Egal. Ich will ja schließlich nur wissen, wie lange noch. Einer der Psycho-Tests online soll mir das angeblich verraten. Also los geht’s: Sitze ich am Wochenende gerne zu Hause vorm Fernseher anstatt zu Feiern? Natürlich nicht. Habe ich eine Notfall-Nummer für die einsamen Stunden? Uhm…ja. So und ähnlich geht es weiter und geduldig gebe ich jede erforderliche Auskunft per Mausklick. Mein Ergebnis: Ich bin ein „Pseudo-Single“.
Zu allem Überfluss erhalte ich nicht die erhoffte Zeitangabe, wie lange ich nun noch im Club der einsamen Herzen verweilen werde, sondern werde belehrt: „Seien Sie doch einfach ehrlich zu sich selbst – Sie sind gerne Single und an Bekanntschaften mangelt es Ihnen nicht. Wenn Sie es wirklich wollen würden, wären Sie schon längst in einer Beziehung.“ Unverschämtheit! Jetzt soll es also an mir liegen und daran, dass ich einfach nur unwillig bin? Erbost starre ich auf mein Testresultat und muss nach etwas Grübeln zugeben – ja, wenn ich denn wirklich mal ehrlich zu mir selbst bin – es ist schon was dran an der „Pseudo-Psychoanlyse“ des „Pseudo-Singles“, der ich nun sein soll, und wahrscheinlich auch bin.
Doch was zeichnet mich als „Pseudo-Single“ nun eigentlich aus? Ich arbeite viel, Zeit für alles andere habe ich kaum und das stört mich irgendwie auch gar nicht. Das Bedürfnis, jemanden zu haben, der zu Hause auf mich wartet, kenne ich nicht. Schließlich habe ich nach Arbeitsschluss immerhin schon zehn Stunden auf alle möglichen Wege kommuniziert, habe sämtliche Gehirnsäfte abgesondert, um mal wieder etwas möglichst Kreatives zustande zu bringen. Und dann noch ein Mann, der auf meiner Couch sitzt und mich über meinen Tag ausquetschen will, Aufmerksamkeit braucht und im schlimmsten Fall auch noch fragt, ob ich koche? Hell no! Mein Abendprogramm: Schnell was in die Mikrowelle schieben, noch eine Stunde mit meiner besten Freundin telefonieren (die versteht einen und es ist wohl die einzige „Ehe“, die wirklich ein Leben lang hält), die ein oder andere Frauenzeitschrift wälzen und mit einem leckeren Rotwein und einer Zigarette in der Hand das Internet durchforsten. Außerdem die wöchentliche Pediküre, Maniküre und was Frau noch so alles fürs eigene Wohlbefinden tut. Wo da noch Platz für einen Mann ist? Genau – nirgends!
Männer wollen Zeit und davon habe ich wenig, zu wenig. Einem Workaholic wie mir würde eine Beziehung ein enormes Organisationstalent und Zeitmanagement abverlangen – als ob es nicht schon genug wäre, dieses im Job tagtäglich unter Beweis stellen zu müssen. Klar, da wären natürlich noch die Wochenenden. Die sind allerdings bisher mit Shoppen, Cocktail-Schlürfen und Partys ausgebucht, hin und wieder auch einfach nur mit Entspannen – und zwar ohne jemanden, der Fußball gucken will während meine Lieblingsserie läuft.
Hört sich egoistisch an, oder? Vielleicht ist es das auch. Vielleicht möchte ich ja lieber erfolgreich, unabhängig und jobfokussiert anstatt verliebt sein. Aber vielleicht ist all das auch nur der Versuch, mir die Enttäuschung darüber schönzureden, dass es seit über einem Jahr kein Mann mehr geschafft hat, genau das bei mir zu erreichen – das Verliebtsein. Denn die Erinnerung sagt mir: Es ist ein himmlisches Gefühl auf Wolke sieben zu schweben und ja – auch ich habe gekocht, Fernsehsendungen geschaut, die ich eigentlich hasse und komische Musik gehört – und irgendwie hat es mich auch nicht gestört. Naja – vielleicht mutiere ich ja irgendwann doch wieder vom „Pseudo-Single“ zur Frau, die morgen ihren Traummann trifft und ihr Leben mit ihm teilt – und zwar gerne. Bis dahin nehme ich den einen Nachteil des „Pseudo-Single-Daseins“ gerne in Kauf. Was der ist? – Manchmal, aber nur manchmal, für einen kurzen Moment fühlt sich die Unabhängigkeit eben doch wie Alleinsein an…aber Pssst!
1 Antwort bis hierher ↓
abgelehnt // September 13, 2008 um 2:30 |
Pseudo? Eher Luxus…