Chrissi’s World

Das unerschütterliche Ego der Neandertaler…

Mai 11, 2008 · 1 Kommentar

1Wir legen uns Gurkenscheiben auf die Augen, schrubbeln mit Bimssteinen an unseren Füßen, reißen uns unter Höllenqualen mit unserem Epilator batterisiert die Beinhaare aus, tragen Slips, die in der „Rille“ hängen, kämpfen uns auf Zehn-Zentimeter-Absätzen mit dem Durchmesser eines Streichholzes über Kopfsteinpflaster, wir zupfen, rasieren, lackieren und von der Ananas- bis zur Sauerkraut-Diät haben wir auch schon alles durch, um blendend auszusehen. Zufrieden sind wir meist trotzdem nicht. Irgendwas ist immer noch nicht perfekt genug. Da fragt Frau sich doch – woher nur nimmt selbst der größte Voll-Depp das Selbstbewusstsein, sich morgens samt Fettschürze und der Beinbehaarung eines Orang-Utan vor den Spiegel zu stellen – vollster Überzeugung, dass ER es ist, auf den die Frauenwelt gewartet hat…

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eine attraktive Frau in einer Bar, fünf gutaussehende Männer und ein Typ mit der Optik von Atze Schröder, dem Sexappeal von Sachsen-Paule und dem Charme des Vorstandsvorsitzenden der Selbsthilfegruppe Humorlos e.V…Und jetzt dürfen Sie dreimal raten, wer die attraktive Frau zuerst anspricht. Genau: Mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit ist es Kandidat Nummer 3, Kategorie „Ober-Spacko“.

Typen mit dem Ego so groß wie ein Heißluftbalon -aufgepumpt bis zum Anschlag, doch drin ist nur heiße Luft. Geht das wirklich nur mir so oder ist es ein allgemeines Phänomen, das es ausgerechnet immer die letzten Penner sind, die  meinen, sie seien unwiderstehlich, ein Geschenk an die Weiblichkeit: Ich werde auf meinem Weg nach Hause angehupt – von einer Gruppe gegelter Lackaffen, frisch vom Assi-Toaster gesprungen, die in Bushido-Manier mit Hand im Schritt und dröhnenden Bässen durch die Stadt „cruzen“ ; alte Männer sabbern während sie mit meinen Brüsten sprechen; der aufgepumpte Typ im Muskelshirt mit den Rasierklingen unter den Armen und dem IQ einer Amöbe legt im Club seine Arme wie Tentakel um meine Hüften. Das sind sie, diese Begegnungen der dritten Art…

Hamburg, April 2008: Ich stehe in der Ecke eines Clubs als mich plötzlich dieser Typ anquatscht. Nicht mein Typ, aber die Auswahl ist ohnehin bescheiden und wie sagt man so schön – unter den Blinden ist der Einäugige König. Für etwas Small-Talk wird’s wohl reichen, denke ich mir.

Einen Monat später: Nachricht Nummer 5 des einäugigen Hamburgers, via Myspace – man denkt ja nichts Böses, e-Mailen hat noch niemandem weh getan. Auf den Punkt gebracht: Kurz nachdem ich ihn auf seinen Beziehungsstatus angesprochen habe (der bei Myspace als „In einer Beziehung“ vermerkt ist), schlägt er ein gemeinsames Essen für nächste Woche vor, er will sich ein Hotel nehmen. Das mit der Freundin streitet er nicht ab, aber Schweigen war ja schon immer Gold. Ich lese nochmal nach. Bitte was?!!! Hotel? Sobald das Wort „Hotel“ fällt, dürfte selbst der blauäugigsten Frau klar sein, was Mann im Sinn hat. Der hat sie wohl nicht alle, denke ich mir. Klar – dass Frau bei Beziehungen hin und wieder Abstriche macht, ist normal. Schließlich ist das Exemplar Mann, das Intelligenz, Humor, gutes Aussehen, Charme und Erfolg in sich vereint, mehr als nur rar. Hat sich Frau wirklich in den Kopf gesetzt, dass sie das volle Package haben will, bleibt sie wohl ewig Single. Doch will Mann eine Frau zu einer belanglosen Affäre, einem heißen One-Night-Stand oder der schnellen Nummer hinreißen, ist „das volle Package“ das Mindeste. Zumindest sollte  sich seine Optik irgendwo zwischen Brad Pitt und Nick Cannon bewegen. Der einäugige Hamburger hat nichts von alledem – weder Optik, noch Charakter. Letzteres wird mir spätestens jetzt klar. Männer, die sich per Myspace verabreden, um ihre Freundin zu betrügen, gehören auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Kopfschüttelnd muss ich mal wieder feststellen: Nur mal eine nette Bekanntschaft ohne die allseits bekannten „benefits“ scheint es bei Männern nicht zu geben. Freundschaften zwischen Männern und Frauen? In den meisten Fällen wohl nur möglich, wenn SIE eine Kampflesbe mit Kurzhaarschnitt ist.  Klar wie Kloßbrühe: Der einäugige Hamburger fällt in die Sparte „Spacken voraus!“.

Doch woher nur nehmen diese Männer ihr unerschütterliches Selbstbewusstsein? Vielleicht haben sie ja zu oft die Psycho-Analyse von Ego-Net.de durchgelesen, in der sie eingetrichtert bekommen „Ugly is Beautiful“. Auf dieser Seite heißt es zum Thema „Worauf Männer und Frauen bei ihrer Partnersuche achten“:

„Die schönsten Männer und Frauen sind die mit den ebenmäßigsten, das heißt durchschnittlichsten Gesichtern. Durchschnitt ist aber nicht nur schön, sondern wird auch am schnellsten wieder vergessen. Nur was aus dem Rahmen fällt, bleibt wegen seiner Abweichung vom Gewohnten und Vertrauten im Gedächtnis haften. Ebenso verhält es sich mit der Aufmerksamkeit. Stellen Sie zwischen fünf schöne, elegante Personen fünf richtig häßliche Individuen mit monströsen Gesichtszügen und greller, schräger Kleidung, so wird der Blick der Betrachter zuerst von den auffälligen Abweichungen angezogen.“

Allerdings haben sie dann wohl den entscheidenden Teil gepflegt übersprungen. Es heißt nämlich weiter:

„So einfach ist es leider nicht. Es kommt nämlich darauf an, ob die Betrachter die auffälligen Besonderheiten als positiv oder negativ, als sympathisch oder unsympathisch wahrnehmen. Niemand kann allen gefallen, sondern nur denen, die auf ihr Äußeres positiv ansprechen.“

Und an dieser Stelle lasst euch gesagt sein: Frauen, die auf braungebrannte, gegelte Muskelprotze mit der Intelligenz eines senilen Hirnanomalie-Patienten in „Schnellficker-Hosen“ und einem Shirt so eng, dass es selbst meinem 6-jährigen Patensohn passen würde, stehen, sind selten, sehr selten. Ich wünschte, ich könnte behaupten, es gibt sie nicht. Aber das wäre wohl eine Lüge. Ja, auch in der Frauenwelt gibt es das ein oder andere seltendämliche Exemplar. Allerdings wären jene Frauen, die noch bei Verstand sind und eben nicht auf solche Pflegefälle stehen, wohl mehr als nur dankbar, wenn sie von den niederen Balzritualen der „Spacken-Brüder“ verschont würden. 

Hier also einige Warnzeichen, die die Herren der Schöpfung überdenken sollten, bevor sie zum Angriff übergehen:

  • „Krass“, „Alta“ und „voll nich“ gehört zum Standard-Vokabular? – RAUS!
  • Was zum Teufel ist eigentlich „Vokabular“? – Doppelt RAUS!
  • „Wer war nochmal Angelika Merkel?…Hauptsatdt von Deutschland? – Palma!“ – RAUS!
  • Die Frau, die du ins Auge gefasst hast, ist mindestens 25 Jahre jünger? – Nicht dein Jagdrevier, scheiß Pädofiler! (auch nicht wenn, sie 25 Jahre älter ist – bekomm  erstmal den Mama-Komplex in den Griff!)
  • Handy-Gürteltaschenträger mit Bundfaltenhose und filigran zur Seite gelegten Scheitel? – RAUS!
  • Frauen nennt man Alte, Weib, Schnalle, Perle, Pussy, Schlampe? – aber sowas von RAUS!
  • das BMW-Cabrio, in dem du sitzt, gehört Papa…Du selbst bist natürlich arbeitslos – wozu den Arsch aufreißen, wenn man Eltern hat? – RAUS!
  • 180 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,50 m?  – RAUS!
  • Die Sonnenbrille, die David Hasselhoff in Knight-Rider trug, ist immer noch hip? – RAUS!
  • Haareschneiden, Rasieren, Duschen und Zähneputzen ist nichts für echte Männer? – RAUS!
  • Treu bin ich nur meinem Fußball-Verein…Frauen wollen belogen und betrogen werden!? – RAUS!
  • Ich rülpse, furze und fasse mir in aller Öffentlichkeit in den Schritt, weil das Männer so machen?! – RAUS!

…VERSTANDEN?!

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Kategorien: Gesellschaft · Life · Men
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