Dass manche Frauen auf „bad guys“ stehen, hatte ich erwähnt. Heute allerdings wurde mir mal wieder klar – auf die richtigen Arschlöcher stehen die Männer. Ihr wollt die Zicken, die Miststücke, die Diven, die euch mit dem Arsch nicht angucken…
Oder wie sonst könnte man erklären, dass ausgerechnet die beiden Typen, die ich so schlecht behandelt habe, dass ich mich fast selbst nicht wieder erkannt habe, mir die Füße geküsst und mich sogar zur Frau ihres Lebens erklärt haben? Ich sei anders als all die anderen, sagten sie mir. Und ich wusste genau was anders war: Ich war nicht verliebt, ich war gemein, ich benutzte sie, wie sonst nur Männer die Frauen benutzen. Nie rief ich sie an, ich interessierte mich nicht für ihr Leben, ich war nie eifersüchtig, wenn sie mir von anderen Frauen erzählten. Das Schlimmste: Sie standen drauf, was mich noch gemeiner werden ließ. Es machte mich so wütend, dass sie meine Abweisung und Gleichgültigkeit genossen. Mir wurde klar, dass sie zu den Männern gehörten, die die Liebe und Hingabe einer Frau nie zu schätzen wissen würden. Ich begann, sie zu hassen und liebte es, dass sich diese Player, die bereits unzählige Frauenherzen gebrochen hatten, sich freiwillig von mir demütigen ließen – ganz ohne es zu merken, ohne sich zu wehren.
Bis heute bin ich E. nicht losgeworden. Wahrscheinlich wollte ich es auch gar nicht. Er hatte es verdient. Es war an der Zeit, dass endlich einer dieser Männer, von denen ich so oft verletzt wurde, von mir verletzt werden würde. Jedes mal, wenn er kurz davor war, den Absprung von seiner Abhängigkeit endlich zu schaffen, holte ich die Leine wieder ein. Es war so einfach. Schließlich kannte ich all seine Spielchen. Ich wusste, wann er mir Angst machen wollte. Einmal erzählte er mir sogar, er wöllte für immer das Land verlassen. Als ich sagte, dass ich das nicht wolle, glaubte er ernsthaft, ich hätte endlich meine Liebe zu ihm entdeckt und bemerkte dabei gar nicht, dass er mir wieder einmal ins Netz gegangen war.
Heute war wieder einer dieser Tage: Ein Anruf von E. Selbst die weite Entfernung nach meinem Umzug konnte ihn nicht aufhalten. Ich rief dreimal „Hallo?“, gaukelte ihm schlechten Empfang vor und legte auf. Doch online lauerte er schon auf mich, tausend unerwiederte Komplimente mit ihm. Ich hasste, es wenn er mich „Süße“ nannte. Mit all der Gleichgültigkeit, die ich in Worte verpacken konnte, versuchte ich ihn und sein Süßholzgeraspel loszuwerden. Und da war es wieder – eines seiner Spielchen. „Ich muss mit dir reden…aber erst wenn du zurückkommst“. Mir war klar, dass er versuchte, meine zugegebenermaßen ziemlich große Neugier gegen mich zu verwenden. Vergeblich. „Ok“, tippte ich in den Instant-Messenger. Als er merkte, dass keine weitere Reaktion meinerseits folgte, schrieb er: „Denk nicht zu viel drüber nach, was es ist…Mach dir keinen Kopf, Süße.“ Hallo?! Es gäbe nichts auf diesem Planeten, was mich weniger kratzen könnte! „Ich denke gar nicht drüber nach“, tippte ich und sein verzweifelter Versuch stellte sich als Flop heraus.
Etwa zehn Minuten später beendete ich den Chat. Er nervte mich nicht nur, er widerte mich an. Wie konnte er nur all seinen Stolz über Bord werfen für eine Frau, die ihn wie das letzte Stück Dreck behandelte? Und er schien es noch nicht einmal zu merken. Er war gefangen im Bann des Bösen, blind. Sein Verhalten weckte schlechte Erinnerungen in mir – daran, wie ich einem Mann alles gegeben hatte und er es nicht zu schätzen wusste, wie mir dieser Mann das Herz gebrochen und ich mir geschworen hatte, so etwas nie mehr zuzulassen. Mir war klar, dass E. wahrscheinlich schon unzähligen Frauen genau das selbe angetan hatte. Frauen, die ihn – im Gegensatz zu mir – liebten.
Doch war es richtig, die Rachegöttin für all die gebrochenen Herzen zu spielen? Machte mich das nicht kein bißchen besser? „Naja, wenigstens habe ich E. immer gesagt, dass ich ihn nicht liebe und nie lieben werde, dass aus uns nie was wird“, beruhigte ich mein Gewissen. „Manchmal kann man Berge bewegen. Ganz unerwartet. Ich warte“, war damals seine Antwort. Selber schuld, oder?! Fest steht: Heute habe ich gemerkt – ich habe keine Lust mehr auf Spielchen, ich werde keine Leinen mehr einholen, keine Netze mehr auswerfen. Möge er davonschwimmen – so schnell und weit er kann – und möge er endlich gelernt haben, dass es die Frauen sind, die einen wirklich lieben, die keine „Arschlöcher“ sind, die es wirklich verdient haben, dass man(n) um sie kämpft.
2 Antworten bis hierher ↓
subkutan // Mai 18, 2008 um 7:03 |
Es macht dich nicht besser. Aber auch nicht schlechter. Jeder war mal gemein und herzlos auf die ein oder andere Weise. Und merken tut man dies erst, wenn man selbst so behandelt wurde.
Und ja, auch Maenner sind manchmal heimliche masochisten. Genauso wie Frauen. Ich glaube da gibt es fast keinen Unterschied
Es gibt andere Dinge, bei denen spielen auf ehrliche weise viel mehr für beide Seiten bringt.
Wünsch dir alles Gute
Grüße
sk.
Sassy // Juni 7, 2008 um 9:14 |
Nach diesem Artikel bekomme ich den Eindruck du wärst die personifizierte Achse des Bösen:-)
AND I LOVE IT!!!
Aber ich bin der Meinung du wurdest von E. in die Rolle der Sadistin gedrängt, denn in Wirklichkeit bist du ein kleines schnurrendes Kätzchen (mit dem Spitznamen Chantal) das ein bisschen Liebe sucht *haha*
Und da vernünftige männliche Exemplare im Moment leider vergriffen sind, musst du wohl vorerst mit mir vorlieb nehmen:-)
Spaß beiseite, ich finde du hast auch hier deine Gedanken mal wieder einfallsreich niedergeschrieben, ich liebe es wie ich bei deinen Artikeln regelmäßig schmunzelnd vor dem PC sitze und denke: Oh mein Gott wir sind Seelenverwandte!!!