Chrissi’s World

Wer’s gesehen hat, hätte’s lieber nicht gesehen: No Angels beim ESC

Mai 24, 2008 · 1 Kommentar

1Deutschland hat sich auf dem Eurovision Song Contest mal wieder bis auf alle Knochen blamiert. Wir sind Erster – und zwar von hinten. Den letzten Platz teilen sich die No Angels mit 14 Punkten mit Polen und Großbritanien. Das Schlimmste: Selbst das ist nur der Tatsache geschuldet, dass Engel Lucy aus Bulgarien stammt und somit 12 Punkte der dortigen Fan-Gemeinde für die deutsche Girl-Group sichern konnte. Wäre dem nicht so gewesen, hätten sich die vier Schönheiten mit lediglich zwei Punkten aus der Schweiz wohl besser gleich die Papiertüten über den Kopf gestülpt. Doch die No Angels scheint das alles wenig zu kratzen. Ausgerechnet Sandy, die bei dem Auftritt auf der Belgrader Bühne krächzte wie ein heißeres Huhn, sprach von einer „geilen Performance“. Realitätsverlust oder Hörschaden?…

Die erste Live-Schalte nach der großen deutschen Blamage beim Eurovision Song Contes in Belgrad: Thomas Hermanns, der sich vom großen Live-Event auf der Hamburger Reeperbahn aus vorsichtig nach dem Befinden der Verliererinnen des Abends erkundigen will, wird von den No Angels erst einmal mit „Doop…doopidu…don’t worry, be happy“-Getreller mundtot gemacht. Schon traurig, dass sich selbst die dahergesungene Uralt-Schnulze von Bobby McFerrin besser anhört als der jämmerliche Song „Disappear“, den die Engel beim Kampf um das beste Lied Europas präsentierten. Der Titel des Liedes war wörtlich zu nehmen, denn verschwunden sind die No Angels tatsächlich, und zwar im Tal der Peinlichkeit. Da wollten auch die bunten Glitzer-Outfits samt Windmaschine nicht helfen.

Da mag ARD-Song-Contest-Moderator Peter Urban davon sprechen, dass es ein sehr guter Auftritt war, der einfach nur nicht den Nerv der europäischen Gemeinschaft getroffen habe. Auch mag er zu bedenken geben, dass die Punktevergabe aufgrund diverser Nachbarschaftsbeziehungen schon vorher absehbar sei. Doch seien wir mal ganz ehrlich – nicht nur der Song, auch der Auftritt der No Angels war schlichtweg schlecht. Schon als Nadja die ersten Strophen zum besten gab, war offensichtlich – sie singt nicht nur viel zu leise, sondern auch miserabel. Die Krone setzte dem Ganzen das Background-Gekrächze von Sandy auf.

nDen peinlichen Auftritt setzte die gestylte Blondine nach der Niederlage fort. „Seid ihr sehr traurig“, fragte Thomas Hermanns, worauf Sandy antwortete: „Wir haben eine geile Performance abgeliefert, die auf jeden Fall ganz oben mit dabei war. Wir können stolz auf uns sein. Wenn jemand gestolpert wäre – das wäre peinlich gewesen.“ Wenn es wirklich der Anspruch sein soll, sich während des Song Contests unfallfrei auf Highheels über die Bühne zu bewegen, na dann Prost Mahlzeit! Doch Recht hat sie, denn viel mehr könnte man den No Angels auch nicht zugute halten. Und wenn es denn wirklich nur an den Mauscheleien zwischen benachbarten Ländern gelegen haben soll, wo waren dann bitteschön unsere Punkte aus Frankreich, Polen, Tschechien, Dänemark, Österreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden?

Klar – dass Deutschland den Eurovision Song Contest gewinnen würde, damit hatte wohl niemand gerechnet. Doch der letzte Platz mit 14 Punkten, wovon 12 nur Gnadenpunkte waren, unterbietet wohl selbst die Prognosen der schlimmsten Pessimisten. Angesichts dieses blamablen Dilemmas gab es wohl kaum jemanden, der sich nicht nach dem vergleichsweise hyper-talentierten und auf dem Boden gebliebenen Kandidaten von Stefan Raab, Max Mutzke, zurücksehnte. Im Vergleich zu „Disappear“ von den No Angels war Mutzkes „Can’t Wait Until Tonight“ ein echtes Sahnestück. Aber gut – was will man von einer von Detlef Soost zusammengecasteten Popstars-Girl-Group auch erwarten? Und wo wir gerade dabei sind: Hat jemand mal wieder was von Room 2012 gehört? Ich schon. Die Touren jetzt gemeinsam mit dem 80er-Jahre-Relikt DJ Bobo durch die deutschen Lande – ein mindestens genauso tiefer Abstieg wie der letzte Platz beim Eurovision Song Contest!

 


Kategorien: Gesellschaft · Music
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