Chrissi’s World

Weniger Sex und mehr City…

Mai 29, 2008 · Kommentar schreiben

1Gestern, um 20 Uhr hatten alle „Sex and the City“-Fans ein Date mit alten Freundinnen. Treffpunkt Kino – zum langersehnten Wiedersehen mit fünf alten Bekannten: Kolumnistin Carrie Bradshaw, Galeristin Charlotte York, PR-Managerin Samantha Jones, Anwältin Miranda Hobbes und nicht zu vergessen – die eine wie keine – New York City. In der Stadt, die niemals schläft, haben wir die vier Single-Frauen von damals in ganzen sechs Staffeln bei der Suche nach der großen Liebe begleitet, mit ihnen gelacht, aber auch geweint. Beim gewagten Sprung vom heimischen Fernseher auf die große Leinwand lag die Befürchtung nah, der Charme der Serie voller unerwarteter Komik und ungenierter Direktheit würde verlorengehen. Zu Unrecht….

Was eingefleischte Serienfans vom Film erwarten: Sex und die Stadt, atemberaubende Outfits, sündhaft teure Schuhe, Liebe, Glück, Tränen, Entäuschungen, jede Menge Witz und den unerschütterlichen Zusammenhalt von vier besten Freundinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die gemeinsam doch nichts erschüttern kann. Und sie bekommen es – all das, was Fans von „Sex and the City“ kennen und lieben. Samantha ist immer noch die Sexhungrige, Charlotte immer noch die hoffnungslos romantische Spießerin, Miranda die kühle Zynikerin und Carrie der kreative Schöngeist. Und doch ist alles anders. Die vier Ladies sind erwachsen geworden. Wonach sie so lange gesucht haben, scheint endlich da: die große Liebe. Carrie ist glücklich liiert mit Mister Big, Miranda ist mit Steve, dem Vater ihres Sohnes, verheiratet, Charlotte und Jerry haben eine kleines asiatisches Mädchen adoptiert, und Samantha lebt inzwischen mit Smith in Hollywood. Schluss mit nächtlichen Eskapaden in stylishen New Yorker Clubs mit jeder Menge Cocktails und viel zu jungen Männern.

1Charlotte und Miranda sind nun Mütter und da wird eben nicht mehr über „Sex“, „Lecken“ oder „Schwänze“ gesprochen, sondern ganz kinderfreundlich übers „Ausmalen“ philosophiert. „Ich wäre mit jedem Buntstift in meiner Büchse beschäftigt“, gibt Samantha zum Besten. Allerdings muss die wilde Blondine, die in ihren besten Zeiten auch schnell mal den Hotel-Portier mit aufs Zimmer genommen hat, bald feststellen, dass selbst ihr Hund mehr Sex hat als sie – wenn auch nur mit Stoffkissen.

Bei Carrie hingegen scheint alles perfekt, vorerst zumindest: Ein Traum-Appartment in einer Traum-Stadt mit ihrem Traum-Mann, mit dem sie nun auch noch eine Traum-Hochzeit plant. Doch weniger plant sie mit ihm, vielmehr plant sie für ihn. Über 200 Gäste, ein traumhaft schönes Hochzeitskleid von Designerin Vivienne Westwood und ein Gelübde, in dem er ihr ewige Liebe schwören soll. Da sind „kalte Füße“ bei Mister Big vorprogrammiert. Carries Welt bricht an einem Tag zusammen und auch Miranda, die an dem Ganzen nicht ganz unschuldig ist, steht plötzlich vor den Trümmern ihrer kleinen heilen Welt. Trotz dunkler Wolken am Himmel bleiben sich die vier Großstadt-Diven treu. Ehrlich und direkt wie immer kann der Kinozuschauer es Samantha noch nicht einmal übel nehmen, dass sie Smith gesteht „Ich liebe dich, aber mich liebe ich mehr“. „So ist sie eben und dafür lieben wir sie“, werden sich „Sex and the City“-Anhängerinnen denken. Angesichts der bedingungslosen Freundschaft unter Frauen gilt es – zumindest bei jenen, die nahe am Wasser gebaut sind – das ein oder andere Tränchen wegzudrücken. Doch keine Angst – Grund zum Weinen gibt es nicht wirklich. Für ein Happy End sorgt – was auch sonst – ein Paar Schuhe von Manolo Blahnik.

2„Sex and the City – The Movie“ ist nicht die erste Serie, die auf die große Leinwand geholt wurde. Man erinnere sich an „Simpsons“ oder „Akte X“. Wirklich gelungen ist das nicht immer. Als gelungen kann der 135-minütige Streifen um die vier New Yorkerinnen aber durchaus bezeichnet werden, denn zumindest die Herzen aller eingefleischten „Sex and the City“-Fans wird er in jedem Fall höher schlagen lassen. Zwar müssen sich die Zuschauer im Vergleich zur Serie mit weniger Sex, dafür aber umso mehr Stadt und Mode zufrieden geben, doch nachdem wir uns seit nunmehr vier Jahren mit ständigen Wiederholungen der sechs Staffeln im Fernsehen begnügen mussten, stillt der Film den Durst der ausgehungerten Fangemüter. Fragen, die noch offen geblieben waren, werden beantwortet. Bekommen Carrie und Big ihr Happy End? Wird Charlotte irgendwann eigene Kinder bekommen können und mutiert Samantha tatsächlich zum liebenden Frauchen, das zum Abendessen selbstgemachtes Sushi kredenzt?

Und während wir als Zuschauer Antworten auf all diese so offensichtlichen Fragen erhalten, lernen wir – fast ohne es zu merken – noch so viel mehr. Wir lernen, dass es trotz all der Labels letztendlich im Leben doch immer nur um den Menschen dahinter geht und dass wir alle auf der Suche nach der großen Liebe sind. Wir erkennen, dass nicht nur während dieser Suche, sondern selbst dann, wenn wir meinen, bereits fündig geworden zu sein, Dinge passieren können, die uns den Boden unter den Füßen wegreißen und dass es gerade dann so unendlich wichtig ist, Freunde zu haben, auf die wir zählen können. Der Film zeigt uns, dass wir vergeben und uns selbst treu bleiben müssen und dass unser Leben erst dann vorbei ist, wenn wir es selbst zulassen und nicht weil wir irgendwann auf einmal 40 sind und automatisch zum alten Eisen abgestempelt werden.

Was Serie und Film in jedem Fall gemein haben: Sie sind was fürs Auge. Dafür sorgte erneut die berühmte Stylistin Patricia Fields. Schon bei der TV-Serie sorgte sie dafür, dass Sarah Jessica Parker aka. Carrie Bradshaw inzwischen zur internationalen Mode-Ikone wurde. Im Ballett-Tutu und Mega-Stilettos ließ sie Carrie Bradshaw damals durch New Yorks Straßen flanieren. Das verschaftte nicht nur der Serie einen Kultstatus in Sachen Mode, sondern animierte gleichzeitig Frauen aus aller Welt dazu, waghalsigere Outfits zu tragen. Ebenso ist es Field zu verdanken, dass inzwischen jede Frau Schuh-Labels wie Manolo Blahnik und Jimmy Choo kennt. Für ihr Talent, Szenen modetechnisch umzusetzen, wurde die 63-Jährige bereits mit einem Grammy und einer Oskarnominierung ausgezeichnet. Dass die Modetrends á la Field aus dem Film – Gladiatoren-Sandaletten und Abendroben zum Shoppen, Overknee-Strümpfe zu Kleidern, knallgelbe 80er-Jahre-Kostüme und kunterbunte Clutches (kleine Taschen, die in der Hand getragen werden) – bald auch auf den Straßen und in Modemagazinen zu sehen sein werden, davon ist auszugehen.

4Ein absolutes Muss ist der Film für alle „Sex and the City“-Fans, Modebegeisterte und jene, die ebenso wie Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte ihr Herz an New York City verloren haben. Männern, die mit alldem nichts anfangen können, werden die 135 Minuten wohl eher zu lang erscheinen. Doch wenn die vier Ladies beginnen, über wuchernde Schambehaarung zu philosophieren, dürfte auch den Herren der Schöpfung der ein oder andere gute Lacher gesicherert sein.

Kategorien: Celebrity · Fashion · Love · Movie · Sex · Shoes · women
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