Chrissi’s World

Help…I think I’m a male!!!!

Juni 22, 2008 · 2 Kommentare

maleBeruflich ein Ass und karrieregeil, ansonsten ohne Frau lebensuntüchtig. Hört sich nach Ihrem Mann oder Chef an? Glückwunsch – Sie sind eine Frau. Leider kann ich das von mir nicht behaupten. Im Gegensatz zu mir kann mein Chef kochen – ich esse tiefgekühlte Fertiggerichte, er hat eine Frau - ich mein Telefon und die beste Freundin am anderen Ende, er hat seine Kinder – ich meinen Computer. Wie ich mir meine Zukunft vorstelle? – Ein Mann, der unsere Kinder bekommt und sie großzieht, meine Sachen wäscht, meine Hemden bügelt und die Blumen gießt. Eine Sekretärin, die meine Termine und sämtlichen Papierkram koordiniert und mich aller halben Jahre daran erinnert, dass ich Urlaub habe… Bleibt nur eine Frage: Wann war der Zeitpunkt, an dem ich zum Mann mutiert bin?

Ok – statt Bier trinke ich Wein, statt den Kicker lese ich die Vogue – und doch scheint aus mir ein Mann im Frauenkörper geworden zu sein. Nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen – ich bin so hetero, wie frau nur sein kann, ich habe weder einen Kurzhaarschnitt, noch trage ich Surfershorts. Rein optisch bin ich wohl genauso sehr Weibchen, wie ich hetero bin – „ein bißchen Porno mit den langen blonden Haaren“, wie meine homosexuelle Freundin zu sagen pflegt.

Dennoch: Bei dem Gedanken an eine Schwangerschaft oder gar das Muttersein stellen sich mir sämtlich Nackenhaare auf. Klar sind sie zuckersüß die Kleinen – seit ich das putzigste Patenkind des Planeten habe, kann ich das mit Sicherheit behaupten. Wirkliche Mutterinstinkte weckt das bei mir dennoch nicht, ich höre weder eine Uhr ticken, noch fühle ich ein Kribbeln in den Brüsten. Viel eher würde ich wohl – wie jeder Mann auch (das ist wissenschaftlich erwiesen) – qualvoll an den Schmerzen der Geburt verenden. „Das würdest auch du schaffen“, würde meine beste Freundin sicher meinen. Vielleicht. Aber dann soll der Storch den Haushaltsroboter bitte gleich mitliefern. Kochen, Wäsche waschen und dann die unzähligen Termine bei Ärzten, Kindergärten, Babyschwimmen, Rückbildungsgymnastik?  Angeblich sind es ja gerade die Akademiker-Mütter, die genau all das bestens unter einen Hut bekommen. Kann man dieses Stadium des Akademiker-Seins auch überschreiten? Zerstreute Professorin?

Ein Anruf von Frau Mama: „Hast du an den Geburtstag von Tante A. gedacht?…Und hast du schon bei den Stadtwerken gekündigt?…Hast du schon eine neue Wohnung?…Wie willst du das eigentlich alles machen?“ Nein. Nein. Nein. Keine Ahnung. Wo ist meine Assitentin? Wieso hat das niemand in meinen Terminkalender eingetragen? Achja: Ich bin eine Frau, sollte rein biologisch also eine Veranlagung zum Multi-Tasking und Organisationstalent haben. Was ist falsch gelaufen? Mein Gehalt ist noch lange nicht da, wo es sein sollte, wenn Frau Mann spielen will. Keine Assistentin, kein organisierter Terminkalender. Verdammt.

Ich gehöre einer neuen Zwitter-Art an – optisch Frau, seelisch auch, idealistisch jedoch nicht. Auf meiner „to-do-list“ für die nächsten 20 Jahre stehen weder Kinder, noch ein Eigenheim, geschweigedenn irgendwelche eigenartigen Haustiere. Wie und wann genau ich zu diesem neuen „Ich“ mutiert bin? Vielleicht war es die Luft des Erfolgs, der Aufstiegsmöglichkeiten, die ich geschnuppert habe. Frauen, die diesem Lockduft folgen wollen, müssen Abstriche machen. Warum das so ist, liegt auf der Hand. Ralf Zacherl hatte ich mal gefragt, wie es sein kann, dass Männer uns Frauen selbst dann schlagen, wenn es eigentlich um typische Frauenpassionen geht. Denn jeder weiß, dass die berühmtesten Köche, Friseure oder Modedesigner nicht weiblich sind. Zacherls Antwort: „Weil es bei Frauen dann wohl doch immer irgendwann den Zeitpunkt gibt, an dem sie Kinder bekommen wollen und einen Gang zurückschalten müssen.“

Genau das will ich nicht – ich will nicht runter-, sondern hochschalten. Ich will so egoistisch sein können, wie Männer es sind. Doch irgendwie scheinen die passenden Gegenstücke in der Entwicklung noch nicht wirklich vorangeschritten zu sein – wo sind die Männer, die Kinder bekommen können, den Haushalt schmeißen und mir abends das Essen servieren, wenn ich von einem langen und stressigen Arbeitstag nach Hause komme? Die Männer, die einfach nur ruhig sind, wenn ich bestimme, dass nun Sex and the City geschaut wird?

Kategorien: Gesellschaft · Life · Men · women
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2 Antworten bis hierher ↓

  • Henk // Juni 27, 2008 um 10:25 | Antworten

    Och, Schätzelein, welch wunderbarer Blogeintrag! Mit einem breiten Grinsen im Gesicht springe ich zurück auf die Couch…und überlege, welches Zwitterwesen ich denn nun genau bin. :)

  • frankthefrog // Juli 10, 2008 um 4:22 | Antworten

    Also ich kann kochen, putzen, mich um Kinder kümmern, bin verläslich und hilfsbereit, freundlich, lieb und nett.

    müssen das nun vorwiegend weibliche Eigenschaften und Fähigkeiten sein?

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