Chrissi’s World

Furchterregende Sicherheit

Juli 10, 2008 · Kommentar schreiben

Amerika ist das Land der unbegrenzt absurden Möglichkeiten. Des morgens gehen die ach so religiösen US-Bürger, vorbildlich wie sie sind, in die Kirche, beten das Vaterunser und lernen, dass man Gleiches nicht mit Gleichem vergelten soll. Während sie im Gotteshaus die Hände falten, liegt die Schusswaffe schwer in der Tasche – nur zur Selbstverteidigung versteht sich…

…So und ähnlich dürfen wir uns fortan den unbescholtenen Bürger in Washington vorstellen. Dort wurde das Schusswaffenverbot vom Obersten Gericht für rechtswidrig erklärt – der Klage des 66-jährigen Polizisten Dick Heller sei Dank. Jeder darf jetzt eine Waffe besitzen und diese auch bei sich tragen – der Sicherheit zuliebe.

Das ist die Sicherheit der Neuzeit: Als Polizist soll Dick Heller beschützen, für Recht und Ordnung sorgen. Gleichzeitig fühlt er sich nach Dienstschluss, ohne Waffe, auf der Straße ausgeliefert – trotz Polizei. Also setzt er durch, dass nun alle mit einem Revolver ausgestattet sind – Feuer frei. Das ist absurd. Dass mein Nachbar im Streit um den zu hoch gewachsenen Strauch die Pistole ziehen könnte – beängstigend.

Psychopaten, die ein Verbrechen planen, finden einen Weg – ob mit oder ohne Verbot -, sich eine Waffe zu besorgen. So viel steht fest. Das ist aber noch lange kein Grund, eine Nation voller Großstadt-Cowboys heranzuzüchten. Schließlich sind die Zeiten des Wilden Westen vorbei.

Niemand kann und darf garantieren, dass ein aufgebrachter Bürger weiterhin vor Wut ins Kissen beißt, wenn er auch gleich schießen kann. In Washington jedoch hat man sich entschieden: Von nun an muss ich mich dort nicht mehr nur vor dunklen Gassen und gefährlichen Vierteln fürchten, sondern auch vor meinem Kollegen, meinem Mitschüler und der Verkäuferin.

Kategorien: Gesellschaft
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