Feuchtgebiete von Charlotte Roche soll auf die Bühne – und zwar auf die des Neuen Theaters in Halle. Während manch einer noch darüber nachsinnen mag, woher der plötzliche Sinneswandel der Autorin, die von der Umsetzung ihres provokanten Bestsellers bis vor Kurzem noch nichts wissen wollte, gibt es doch eigentlich nur eine Frage: Wie, um Himmels Willen WIE soll das bitteschön aussehen?…
Feuchtgebiete – ein Aufruf für weibliche Intimsekrete und gegen Körperhygiene. Protagonistin Helen macht es vor: Sie verteilt nicht nur ihr Intimsekret, nein – sie isst auch ihren eigenen Ohrenschmalz und sich Waschen – das scheint ohnehin irgendwie überflüssig. Manch einer bejubelt solch ein „Meisterwerk“ als Neuen Feminismus, andere fragen sich lediglich, was das alles soll.
Klar – Sex sells. Mit Feminismus oder Emanzipation hat das Ganze jedoch wenig zu tun, denn fest steht: Frauen müssen weder stinken, noch müssen sie den ganzen Tag in vulgärster Weise über Sex reden, um emanzipiert zu sein. Irgendwie absurd alles. Und was macht man am besten mit absurden Dingen wie Roches „Feuchtgebiete“? Natürlich – man erklärt sie zur Kunst. Kunst darf all das – sie darf abstrakt, absurd, pervers, krank, albern, abstoßend, vulgär und noch viel mehr sein – und weil es Kunst ist, darf dann auch jeder unverschämt hinsehen und hinhören.
Wenn es also darum geht, „Feuchtgebiete“ mittels einer Bühnenumsetzung zur Kunst emporzuheben, so drängt sich ein ebenso absurdes und vulgäres Individuum auf: Lady Bitch Ray – die Frau, die ihr „Fotzensekret“ eigens in Harald Schmidts und Pochers Studio karrte. „Ficken, Fotze, Schwanz, Fotze, Ficken, Schwanz….“ – so ungefähr sehen die Satzkonstellationen der guten Frau aus – unerhebliche Füllworte sind hierbei getrost zu vernachlässigen, denn am Ende geht es doch immer wieder nur um „Ficken, Fotze, Schwanz…“. Die fragwürdige Akademikerin Bitch Ray hat sich dem Neuen Feminismus verschrieben, faselt von einer Befreiuung der Frauen. So wirklich identifizieren mag sich damit aber niemand – zumindest nicht jene Frauen, die sich tatsächlich emanzipiert fühlen. Die Frau scheint gegen Windmühlen zu kämpfen – die, die sie eigentlich verteidigen wollte – die Emanzipierten nämlich – hat sie nicht hinter sich, dafür aber jene, die eben genauso wie sie keine Problem damit haben, eine Bitch (= Schlampe) zu sein. Doch was ist eigentlich eine Schlampe? Eine Frau, die viel Sex mit vielen Männern hat? Wohl kaum. Eher eine, die überall damit hausiert, dass sie jederzeit zu viel Sex mit vielen Männern bereit ist, sich namentlich selbst zur Schlampe erklärt und deren Wortschatz noch nicht einmal im Playboy gedruckt werden würde.
Die letzte Chance, um die arme ach so missverstandene Lady Bitch Ray aus ihrem Fettnäpfchen in der Größe eines Swimmingpools zu fischen: Sie muss gemeinsam mit Roches „Feuchtgebieten“ in den Status der Kunst gerettet werden. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, könnte sie dann ungeniert ihr „Fotzen-Sekret“ verteilen und würde dafür sogar noch Applaus ernten.
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