„Spiel, Spaß und Schokolade“ gehören nicht zusammen, finden Deutschlands Politiker. Nach 34 Jahren „drei Sachen auf einmal“ wollen die nun den Kult unserer Kindheit verbieten – das Überraschungs-Ei. Fragt sich nur – haben die werten Damen und Herren Politiker wirklich keine bewegenderen Themen auf der Tagesordnung stehen, wenn es darum geht, etwas für unsere Kinder zu tun, oder müssen wir uns tatsächlich Sorgen machen, dass der deutsche Nachwuchs dermaßen verblödet ist, dass er die gelbe Plastikfüllung samt brauner Schokoschale mitverschlingt?…
Ach, was war das schön: Wenn uns die kindliche Gier nach Geschenken mal wieder übermannte, ohne dass ein Geburtstag in Sicht schien, hatten es Mama und Papa vor einigen Jahren noch leicht: Ein Ü-Ei und schon war der Nachwuchs für weniger als einen Euro ruhig gestellt. Im besten Fall bescherte uns das aufmerksame Durschschütteln der gesamten Schokoeier-Palette ein neues Sammlerstück für unseren Setzkasten. Unsere Kinderzimmer waren voll von Happy Hippos, der Pinguin-Familie und der Kroko-Manschaft. Was „zum Bauen“? Nicht schlimm – schließlich verdanken wir den Fingerfertigkeiten, die uns die kleinen Plastikteile aus der gelben Kapsel abverlangten, wahrscheinlich auch, dass wir 20 Jahre später in der Lage sind, Anneboda & Co. von Ikea fachgerecht zusammenzuschustern.
Doch die Zeiten ändern sich: Das Ü-Ei wurde von der Kinderkommission des Bundestags zum Gesundheits- und Sicherheitsrisiko für die Kleinen erklärt. „Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln“, meint Kommissionsmitglied Miriam Gruß (FDP) und setzt Cornflakes mit Spielzeugzugabe gleich mit auf den Index. Einleuchtend, oder?! Haben wir nicht alle eifrig auf unserem Tamagotchi rumgekaut und uns verzweifelt gefragt, warum es so eigenartig zwischen den Zähnen knirscht, nachdem unsere Beißer das Plastikgehäuse endlich zu Kleinteilen zerstückelt hatten? Wahrscheinlich wird bald sämtliches Spielzeug verboten – schließlich könnte der ein oder andere Sprößling ja die Spielekonsole mit einem Schokoriegel verwechseln und jämmerlich daran verenden.
Mal ganz ehrlich – gibt es keine anderen Dinge, um die man sich in Sachen Kinder Sorgen machen könnte? Darum zum Beispiel, dass laut Unicef jedes sechste deutsche Kind in Armut lebt. Oder darum, dass die deutsche Wirtschaft ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit durch zunehmenden Fachkräftemangel und „Bildungsarmut“ bei den Jugendlichen bedroht sieht, weil fast jeder zehnte Schüler eines Jahrgangs den Hauptschulabschluss nicht mehr schafft, mehr als jeder fünfte Jugendliche scheitert in der Berufsschule. Denn genau das sind die wirklich dicken Eier – faule Eier, über denen gebrütet werden sollte.
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