Chrissi’s World

Wofür brennst du?

August 14, 2008 · 2 Kommentare

Wofür brennst du? Klar, dein Leben läuft bestens, du hast einen Job, wenn es gut läuft, hast du auch noch eine glückliche Beziehung, vielleicht sogar Kinder, fährst aller halben Jahre in den Urlaub, hast Freunde, auf die du dich verlassen kannst - du kannst dich nicht beklagen. Etwas Gutes tust du, indem du dem Obdachlosen vor deiner Stammbäckerei hin und wieder einen Euro zusteckst, du stehst auf, wenn eine alte Dame sich in der Bahn setzen möchte, du bist höflich und insgesamt ein ziemlich netter und beliebter Mensch. Doch ich frage nochmal: Wofür brennst du? Wo lodert dein Feuer?

Traurig aber wahr – die meisten Menschen mögen „irgendwie ganz zufrieden“ sein, doch das Feuer in ihrer Seele würde noch nicht einmal reichen, um ein Streichholz zu entzünden. Grund: Wir haben gelernt, uns glücklich zu fühlen, ohne Leidenschaft zu empfinden, weil sich in unserer Welt alles nur noch um das eigene Dasein dreht und wir – wir finden das normal. Wir haben verlernt, wie befriedigend es sich anfühlt, in die dankbaren Augen eines anderen zu blicken, wie es sich anfühlt, im Leben eines anderen etwas verändert zu haben.

Davor ist niemand gefeilt, auch ich nicht. Doch es ist nie zu spät. Mir öffnete eine Kollegin die Augen, als sie mir eben diese Frage stellte: Wofür brennst du? „Mhm“, sagte ich. „Klar, ich liebe meine Arbeit“, setzte ich fort, ohne wirklich eine Antwort zu liefern. Sie lachte nur still in sich hinein, denn sie kannte dieses Gefühl, die innere Suche, auf die ich mich in diesem Moment begab. Auch ihr wurde diese Frage eines Tages gestellt und als sie so durch ihren Kopf stöberte, fielen ihr natürlich ihre Kinder, ihre Familie, ihr Beruf ein – all das machte sie glücklich, doch ein Feuer? Wo brannte unser Feuer? Sie hatte es inzwischen gefunden - als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Bremerhavener Seemanns Club. Dort half sie Menschen, die oft ein trostloses Leben auf See führten, sie hörte ihnen zu, nahm sich ihrer Probleme und Sorgen an, erledigte kleine Dinge für sie, wenn sie etwas brauchten. Ihre Bezahlung: Leuchtende, glückliche Augen und das Feuer in ihrer Seele – die Leidenschaft für eine Arbeit, die kein Geld, aber ein gutes Gefühl brachte. Das gute Gefühl, zu helfen, etwas bewegt zu haben.

Die Sehnsucht nach diesem guten Gefühl scheint den meisten Menschen abhanden gekommen zu sein. Wie viele Bürger begleiten denn heutzutage noch ein Ehrenamt, helfen alten Menschen, die keinen anderen mehr haben, kümmern sich um Kinder und Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten sind oder setzen sich für Bewegung in der Politik ein?

Wonach junge Menschen in unserer Gesellschaft streben: Geld, Ruhm, Anerkennung. Sie wollen Stars werden und blamieren sich dafür in aller Öffentlichkeit in diversen Castingshows. Jeder will zumindest seine fünf Minuten Ruhm. Schließlich machen es die „Helden der Neuzeit“ am laufenden Band vor – mit Nichtskönnen  zum Erfolg. Topmodel Gina Lisa schaffte es mit dem Kultspruch „Zack die Bohne“ zu zweifelthafter Berühmtheit, Victoria Beckham kann zwar nicht singen, aber profiliert sich über die tollsten Outfits und den Fußballer-Gatten David Beckham und auch bei Naddel war es vollkommen ausreichend, dass sie sich eine Weile mit dem Pop-Titan Bohlen rumquälte. Seither schwingt sie den Kochlöffel beim perfekten Promi-Dinner und eine Nation schaut fasziniert zu.

Doch sind solche Menschen wirklich würdige Vorbilder, nur weil sie im Rampenlicht stehen? Ja, wir könnten alle Stars und Helden sein – wenn wir nur das Bild eines Helden endlich wieder auf seine Grundzüge zurückführen und über unser eigenes aufgeblasenes Ego hinwegkommen würden. Wir könnten die Helden jener sein, die wirklich einen Helden brauchen – sozial Benachteiligte, Menschen am Rande der Gesellschaft. Und es würde uns gewiss mehr geben als die ständige Jagd nach Ruhm und Erfolg im Fokus der Öffentlichkeit.

„Ich hab selbst schon genug Probleme“, ist eine beliebte Standardausrede fürs Nichtstun und Jammern war schon seit Urzeiten einfacher als sich aufzuraffen, um selbst etwas zu bewegen. Dabei haben wir wohl ganz vergessen, was schon Albert Einstein wusste, als er einst sagte „Only a life lived for others is a life worthwhile“. Was hinterlassen wir auf dieser Welt, wenn unsere Tage eines Tages gezählt sein werden und wir uns doch nur um die eigene Achse gedreht haben. Dort wo keine Feuer brennt, ist das Licht schon zu Lebzeiten erloschen.

http://www.freiwilligenagenturdortmund.de/

Kategorien: Gesellschaft
Mit Tag(s) versehen: , , ,

2 Antworten bis hierher ↓

  • Julius // August 20, 2008 um 11:57 | Antworten

    * „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.“

    * „Der wahre Weg, um Glücklichkeit zu erlangen, besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen.“

    Diese beiden Zitate eines recht unbekannten Mannes aus England der Anfang des letzten Jahrhunderts gelebt hat und die Pfadfinderbewegung gegründet hat, fallen mir dazu ein.

    Würde dies jeder Mensch als seinen Lebensgrundsatz annehmen, wäre das Leben um einiges schöner und angenehmer. ;)

    Aber was solls, Worte sind immer so leicht dahingesagt/geschrieben. Taten – Darauf kommt es an!

  • chrissi2411 // August 21, 2008 um 1:17 | Antworten

    Aus FAZ-Artikel:

    „Parallel wandeln sich die Rangordnungen und Werte. Erfolg im Beruf, ein hohes Einkommen, ein gepflegtes Aussehen, aber auch eine eigene Familie, Kinder zu haben, sind den jungen Menschen bis 30 Jahre heute wichtiger als vor einem Jahrzehnt, gesellschaftliche Ziele dagegen weniger wichtig. Das gilt sogar für die soziale Gerechtigkeit, ein Thema, das in letzter Zeit in der öffentlichen Diskussion eine regelrechte Renaissance erlebt hat. Der Anteil derer, die in dieser Altersklasse der sozialen Gerechtigkeit besonders große Bedeutung beimessen, hat sich binnen zehn Jahren von 60 auf 53 Prozent vermindert.

    Der Kreis, der politischem Engagement große Bedeutung beimisst, wird geradezu marginalisiert. Vor einem Jahrzehnt hielten es noch 9 Prozent der Jugendlichen bis 30 Jahre für wichtig, politisch aktiv zu sein, heute noch 6 Prozent. Der Rückgang des politischen Engagements der jungen Generation verändert auch die Ausgangslage für die Parteien. Das gilt insbesondere für die CDU/CSU, die von 40 Prozent der politisch Interessierten dieser Altersklasse bevorzugt wird, aber nur von 24 Prozent der gleichaltrigen Desinteressierten. Alle anderen Parteien erzielen bei den politisch Desinteressierten bis zu 30 Jahren bessere Ergebnisse als bei politisch Interessierten.

    Insgesamt wird die Neigung der jungen Leute schwächer, sich kontinuierlich zu informieren. Der Anteil derer, die über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden sein wollen, sank allein in den letzten fünf Jahren von 45 auf 37 Prozent.“

    Link: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E0E3DEE2CC21C471BBEB31E394901BB1E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Kommentar schreiben