Chrissi’s World

Matschige Schlacht und matschig im Kopf

August 28, 2008 · Kommentar schreiben

„Mit Essen spielt man nicht“, hat Mama immer gesagt. Recht hatte sie. Doch angesichts der alljährlichen Tomatenschlacht im spanischen Bunol bei Valencia halten entsetzte Mütter ihren Kindern wohl verzweifelt die Augen zu, wenn im Fernsehen plötzlich rotverschmierte halbnackte Menschen gezeigt werden,  die sich im Tomatensaft suhlen. Eine Stunde dauerte die diesjährige Gemüseschlacht, bei der sich 40.000 Einheimische und Touristen 120 Tonnen der roten Fruchtfleischbälle um die Nase schleuderten. Wer mal nachrechnet, dem wird schnell klar – die haben nicht mehr alle Tassen im Schrank…

„Sind wir nicht alle ein bißchen bluna“, lautet ein Kult-Werbeslogan, mit dem gerne der ein oder andere geistige Aussetzer unserer Gesellschaft mit einem Augenzwinkern gerechtfertigt wird. Was da an jedem letzten Mittwoch im August in Spanien veranstaltet wird, ist aber weder mit „bluna“ oder „gaga“ zu rechtfertigen, es ist einfach nur die Inkarnation der menschlichen Dummheit. Auch der Sinn von Tortenschlachten hat sich mir noch nie wirklich erschlossen. „Schade drum“, dachte ich mir immer. Schließlich lässt es sich mit Kissen vortrefflich aufeinander einschlagen und Torten – die sind im Magen allemal besser aufgehoben als im Gesicht.

Aber genug von dem Süßkram. Kommen wir zurück zu den spanischen Tomaten. 120 Tonnen!!! Das sollte sich mal jemand auf der Zunge zergehen lassen. In meinem Supermarkt kostet das Kilo Fleischtomaten 1,39 Euro. Demnach wurden in Bunol stolze 166.800 Euro zu Matschepampe verarbeitet. Mal ganz zu schweigen von den Kosten, die die anschließenden Reinigungsarbeiten der rotgetränkten Häuserfassaden unnd Straßen jedesmal zusätzlich verschlingen.

Bei 40.000 Gemüsesoldaten macht das 3 Kilogramm Monition pro Person. Wie viele unzählige Liter Tomatensuppen man daraus kochen, wieviele Salate man daraus schnibbeln, wie viele Pizzen man damit belegen könnte, möchte ich gar nicht erst kalkulieren. Und dass unzählige Menschen jeden Tag vor einer Tagesration von einer Schüssel Reis kauern, muss ich wohl nicht erwähnen. Aber wir Europäer habens ja – wir müssen nicht darüber nachsinnen, ob es nun ethisch vertretbar ist, 120 Tonnen Gemüse durch die Luft zu schleudern und zu vernichten. Haste was kannste – Hauptsache der Spaßfaktor stimmt. Arme Welt! Ich beiß angesichts dessen am besten mal ordentlich ins Kissen, denn wie wir gelernt haben, werden die ja nicht mehr für Spaßprügeleien genutzt – die machen schließlich viel zu wenig Dreck und genug Geld wird damit auch nicht verschwendet. Immerhin bestünde ja die Gefahr, dass man anschließend tatsächlich noch darauf schlafen könnte – und wer will das schon? Wir zerstören viel lieber!

Bildquelle: REUTERS


Kategorien: Gesellschaft
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