Chrissi’s World

Geschmacklose Trittbrettfahrer von rechts…

August 31, 2008 · 1 Kommentar

Ein kalter Schauer läuft jenen über den Rücken, die schon einmal eine Demo von Rechtsradikalen beobachtet haben: Junge Frauen und Männer, manche haben Kinder an der Hand, Menschen wie du und ich. Rechtes Gedankengut ist heutzutage lange nicht mehr jedem auf die Stirn geschrieben. Es wäre wohl zu einfach,  wenn das Klischee der Glatzen mit Nazi-Tatoovierungen alle rechtsradikalen Querschläger unserer Gesellschaft etlarven würde. Das macht das Ganze umso beängstigender – das braune Pack kommt als Wolf im Schafspelz daher und brilliert mit Geschmacklosigkeiten sondergleichen. Jüngstes Beispiel: In Leipzig spielen Rechtsextreme die Rächer der achtjährigen Michelle, die einem Sexualverbrechen zum Opfer fiel und tot aufgefunden wurde. Mit der Forderung nach der Todesstrafe für Kinderschänder versucht der rechte Pöbel bei der Bevölkerung zu punkten…

Es ist die altbewährte Masche der Rechtsextremen: Sie setzen auf die Wut und Verzweiflung der Bürger. Jene, die mit der Gesellschaft abgeschlossen haben, fangen sie in ihrem dunklen Netz auf. In den neuen Bundesländern haben sie damit verstärkt Erfolg – dort, wo die Menschen keine Arbeit, keine Perspektive haben, dort staut sich Wut auf, dort findet sich der nahrhafte Boden, auf dem der Radikalismus gesät werden kann.

Im sächsischen Leipzig wird der Perversität der Neonazi-Szene keine Grenze gesetzt, es kann ihr keine Grenze gesetzt werden. Grund: Die Rechten wissen, wie sie ihre Aktionen geschickt einfädeln – sie demonstrieren, ohne gegen Gesetze zu verstoßen, jede rechtliche Handhabe fehlt. Also gehen die Radikalen unter dem Deckmäntelchen der Gerechtigkeit auf Wählerfang und spielen ungehindert mit den Ängsten und Emotionen von Eltern und Bürgern. Wie demütigend diese Instrumentalisierung des Todes von Michelle für die Eltern und das Opfer ist, scheint das „Rächer-Heer“ herzlich wenig zu interessieren. Nur allzu offensichtlich zeigt das, worum es wirklich geht: Nicht um Michelle, sondern um die braune Szene, die neue Anhänger sucht. Und es ist nicht das erste Mal, dass in Leipzig die Ermordung eines kleinen Mädchens als gefundenes Fressen für die rechte Szene herhalten musste. Die Forderung nach der „Todesstrafe für Kinderschänder“ wurde bereits im Februar vergangenen Jahres laut, als die kleine Mitja tot aufgefunden wurde. Seither dient die Parole als Erkennungs- und Mobilisierungsinstrument der rechten Szene.

Michelles Eltern haben sich indess von den braunen Trittbrettfahrern distanziert. Schlimm, dass die sich neben dem tragischen Tod ihres Kindes nun auch noch mit solchen Dingen auseinandersetzen müssen.  Bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen ihre Augen und Ohren offen halten und nicht auf die billige Masche der Rechten reinfallen, denn Radikalismus ist kein Ausweg aus Wut und Verzweiflung und ein würdiges Engagement für Gerechtigkeit sieht anders aus.

Kategorien: Gesellschaft
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