Chrissi’s World

Seifenoper auf Republikanisch…

September 3, 2008 · 1 Kommentar

Liebe auf den ersten Blick? Wohl kaum. Notdurft. Und weil es so dringend war, befand es der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, wohl auch für völlig ausreichend, dass er Sarah Palin nur ein Mal getroffen hatte, bevor er sie als Vizepräsidentschafts-Kandidatin nominierte. Er überlegte nicht lange: Stock-konservativ, weiblich und Fragebögen kann sie auch ausfüllen. „Die Frau ist gebongt“, dachte sich McCain wohl. Doch oh weh, oh weh – die Frau entpuppt sich als Kuckucks-Ei. Um genau zu sein: Das faule Ei ist ihre 17-jährige Tochter, die ein uneheliches Kind von ihrem 18-jährigen Freund erwartet. Alle sprechen von einem Skandal, dabei war die schwangere Tochter Palins wohl das einzige Sympatische und Menschliche an der Gouverneurin von Alaska – bis sie aus dem Ganzen eine kitschige Seifenoper inszenierte…

Republikanerin, strikte Abtreibungsgegnerin, Mitglied der Waffenlobby – bei diesem Personenprofil schwingt der Würgereiz mit. Die Frau scheint nicht nur einen Stock, sondern einen ganzen Wald im Arsch zu haben. Unsympathischer könnte Sarah Palin kaum sein. Die bidere Hochsteckfrisur samt Möchtegern-Intellektuellen-Brille tun ihr Übriges. Doch dann ein Lichtblick am Horizont: Die Frau scheint auch nur ein Mensch zu sein. Und ja – normale Menschen haben Kinder, die nun mal nicht bis zur Ehe warten, um endlich das „Biene-und-Blume-Spiel“ auszuprobieren – egal, was die Eltern sagen.

Ja, dafür hätte man Palin schon fast etwas mögen können – dafür, dass sie nicht perfekt ist. Die 17-jährige Tochter ist schwanger und ja – auch der Ehemann hat sich schon mal mit einem Glas Alkohol zu viel hinters Steuer gesetzt und ohne Angelschein die ein oder andere Forelle aus dem Wasser gefischt. Alles nicht vorbildlich, aber eben menschlich.

Doch genau diese Menschlichkeit scheint nicht nur Palin, sondern auch McCain gehörig gegen den Strich zu gehen. Und so inszeniert das Duo eine perfekte Seifenoper: Da wird das fehlgeleitete Palin-Töchterlein zur Ikone der Anti-Abtreibungsmachinerie emporgehoben und auch der 18-jährige Schwiegersohn in Spe muss brav sein Gesicht in die Kamera halten, um beim „Perfekte-Familie-Spiel“ fleißig mitzugrinsen. Und Palin – die ist nun die liebende Mutter, die gemeinsam mit ihrer Tochter durch dick und dünn – naja, vor allem durch „dick“ – geht. Dass die beiden Teenager selbstverständlich so schnell wie möglich heiraten werden, hat Palin der Welt bereits kundgetan. Fehlt nur noch, dass McCain sich öffentlich zum Trauzeuge erklärt. Eines steht fest: Der anfängliche Würgereiz ist zurück – und zwar doppelt und dreifach!

Kategorien: Gesellschaft
Mit Tag(s) versehen: , ,

1 Antwort bis hierher ↓

  • thearcadier // September 19, 2008 um 6:30 | Antworten

    Sehr cooler Bericht, ich musste herzhaft lachen, als ich das mit der Schwangerschaft gehört habe. Während Palin Enthaltsamkeit predigt, wird ihre Tochter mal so richtig durchge*****, du weißt schon…da passt der Artikel richtig gut.
    Hatte mal etwas zu Obama geschrieben, von wegen er solle mehr Spaß haben…
    schönen Abend noch

Kommentar schreiben