Chrissi’s World

Klischees sind ziemlich blond…

September 10, 2008 · 3 Kommentare

Lange blonde Haare, Pencilskirt und Highheels. Schreit nach Tussi, oder? Irgendwie schon. Aber eben nur dann, wenn man zu jenen Scheuklappenträgern gehört, die meinen, von Schale auf Kern schließen zu können. Schließlich ist das Leben so herrlich simpel, wenn alles fein säuberlich in der entsprechenden Schublade abgelegt werden kann. Doch Vorsicht: Wer vorschnell urteilt, könnte seinen Gegenüber unterschätzen und in die Falle der eigenen Vorurteile tappen…

Blond gleich blöd? Ja, wir wissen alle, dass dieser Zusammenhang zwischen Haarfarbe und IQ mindestens genauso glaubwürdig ist wie der Zusammenhang zwischen Schuhgröße und Manneskraft in Zentimetern gemessen. Dennoch hält sich das Klischee des dummen Blondchens hartnäckig – zumindest solange Schneeweißchen keine Hornbrille samt Streberdutt auf dem Kopf trägt.

Wer an dem Blondchen-Image Schuld ist? Klar, da fallen einem sofort die üblichen Verdächtigen ein: Paris Hilton, die Playboy-Bunnies oder doch Dolly Buster? Aber da es Blondinen-Witze schon gab lange bevor die angeführten Dämlichkeiten zu Berühmtheit gelangten, muss der Ursprung des Übels ein anderer sein. Psychologieprofessor Peter Ayton kommt der Sache schon näher. Männer fahren optisch eher auf Blondinen ab – so lautet das Ergebnis seiner Studie auf den Punkt gebracht. Das soll übrigens schon bei den Höhlenmenschen so gewesen sein. Payton vermutet, dass die männliche Psyche Dunkelhaarige mit Verstand assoziiere, während blonde Frauen eher mit körperlichen Reizen in Verbindung gebracht würden. Das erklärt das „Blond gleich Blöd“-Phänomen natürlich nicht vollends. Da liegt die Vermutung nahe, dass es schlichtweg die männliche Vorstellungskraft übersteigt, dass eine Frau attraktiv UND intelligent sein könnte.

Warum auch so manche Brunette über ihre blonden Geschlechtsgenossinnen herzieht, obwohl Frauen doch generell zusammenhalten sollten? Neid, Zickenterror, Eifersucht. Oder eben Dummheit, denn die ist auch unter Braunhaarigen weit verbreitet. Dora – vermutlich eine Brunette – outet sich in einem Forum zum Thema „Blond gleich Blöd“ selbst: „Dann noch etwas, ich kenne aus meinem Bekanntenkreis einige Blondinen, aber keine, die einen akademisch erfolgreichen Beruf hat, die auch ohne Mann durchs Leben gehen kann, belesen und gebildet ist. Das ist schon Tatsache. Die wirklich erfolgreichen Frauen, siehe man Historie, z.b. Zarin Katharina von Russland, Elisabeth I von England, waren nicht blond. Welche geschichtlich “herausragende” weibliche Persönlichkeit war blond? Mätressen ausgenommen“, schreibt sie.

Da kann ich nur sagen: Liebe Dora, deinen Bekanntenkreis halte ich für sehr bedenklich. Vielleicht hast du mal darüber nachgedacht, dass es an dir liegen könnte, mit wem du dich umgibst. Das lässt fragwürdige Rückschlüsse auf deine eigene Person zu. Des Weiteren scheinst du an Farbenblindheit zu leiden, denn wenn Elisabeth I nicht blond war, was war sie dann? Ok, „Rotblond“ könnt man durchgehen lassen, aber sie als Ikone der Dunkelhaarigen anzuführen, ist – milde gesagt – einfach nur lächerlich. Lächerlich ist auch, dass du offensichtlich tatsächlich meinst, einen Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Intellekt festmachen zu können. Da wundert es mich wenig, dass dir „herausragende weibliche Persönlichkeiten“ – wie du sie nennst – wie Hilary Clinton, Angela Merkel, Prinzessin Diana und Sabine Christiansen natürlich nicht in den Sinn gekommen sind.

Blondinen gewöhnen sich irgendwann daran, dass sie oft unterschätzt werden und weil sie eben meist doch nicht so dumm sind, wie sie angeblich aussehen, lernen sie dazu. Sie lernen, wie sie das Blondchen-Image zu ihrem Vorteil nutzen können. „Du bekommst mit deiner Optik doch sowieso alles, was du willst“, sagte mal eine Freundin zu mir und auch wenn das etwas zu weit hergeholt ist, so hatte die Anspielung auf meine Blondinen-Optik doch einen wahren Kern. Inzwischen beherrsche ich sie perfekt, die verschiedenen Rollen: Das hilflose Naivchen, wenn ich Hilfe brauche. Die blauäugige Unschuld und Freundlichkeit in Persona, die keiner Fliege etwas zu Leide kann, wenn ich schwerzugängliche Informationen benötige. Die kühle Blonde, wenn ich professionell und unnahbar wirken möchte. Die arrogante Tussi, wenn ich in Ruhe gelassen werden möchte. Und? Es funktioniert bestens. All den Klischees sei Dank. Und am schönsten ist doch immer noch der Anblick verdutzter – ja, manchmal sogar enttäuschter – Gesichter, wenn jemand plötzlich merkt, dass er reingefallen ist – auf seine eigenen Vorurteile – und plötzlich selbst ziemlich dumm dasteht.

Für meine liebe Dora hier noch die „dunkelhaarige“ Elisabth I.

Kategorien: Gesellschaft · Life
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3 Antworten bis hierher ↓

  • Julius // September 11, 2008 um 5:38 | Antworten

    Tja lieber Christin, irgendwie beantwortest du dir einen Teil deiner Fragen selbst. ;)

    Warum wunderst du dich über das Klischee des „dummen“ Blondchens, wenn du es selbst, deiner Aussage nach zu urteilen, so gern anwendest um zu deinem Ziel zu gelangen?

    Mal drüber nachgedacht, dass du damit nicht die Einzige bist und es, seid es dieses Vorurteil gibt, wunderbar bequem und einfach für hübsche Mädels mit heller Haarpracht ist, die Männer dazu zu bringen, ihnen jeden Wunsch zu erfüllen?

    :-P

  • chrissi2411 // September 11, 2008 um 8:31 | Antworten

    Jaha mein lieber Julius – das nennt man „aus Scheiße Bonbons machen“….aber bei mancher „Scheiße“ hilft selbst das hellste Blond nix und das wissen wir wohl beide ;)

  • thearcadier // September 19, 2008 um 6:19 | Antworten

    Wie Sabine Christiansen so erfolgreich geworden ist, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben, ihre Talkshow glich jedes Mal einem Tollhaus.

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