Chrissi’s World

Schlüpfrige Abgründe

Oktober 1, 2008 · 2 Kommentare

Dass die Bild-Zeitung die „Sex sells“-Masche bis zur Königsdisziplin perfektioniert hat, beweist sie heute mal wieder eindrucksvoll mit einer Fülle von schlüpfrigen Schlagzeilen online: Diskotheken in Argentinien verlosen Brust-OPs unter ihren weiblich Partygästen, Lindsay Lohan macht Kuschelurlaub mit ihrer Lesbenfreundin, jeder Fünfte hat Fremdsex im Hotel, jeder Zehnte hat’s schon im Flugzeug getrieben, Anastacia räkelt sich halbnackt im Wasser und in einem japanischen Pornokino sind 15 Menschen bei einem Brand gestorben. Noch Fragen? Natürlich! Was kann eigentlich die neue Viagra-Pille, was muss ich bei einem One-Night-Stand beachten und wer soll denn nun eigentlich das September-Girl sein – Vanessa mit den Hängetitten oder doch Simona mit dem Transvestiten-Gesicht? Dinge, die die Welt nicht braucht!? Offensichtlich doch…

Bisher hatte ich mich strikt geweigert, die BILD zu lesen. Scheiß drauf, anhand welchen Käseblattes sich angeblich Millionen Deutsche ihre „Meinung bilden“, dachte ich immer. Woher dann das „bisher“? Als sich ein Bekannter allwissend darüber amüsierte, dass Amerikaner angeblich beim Masturbieren an Sarah Palin (Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner) denken, wurde ich neugierig – woher nur nahm er diese verstörende Erkenntnis? Aus der BILD natürlich. Das konnte ich mir zugegebenermaßen nicht entgehen lassen und ja ich gestehe – das dazugehörige YouTube-Video war pures Training für meine Lachmuskeln. Klar, unterhaltsam war es, informativ aber weniger.

Mit einem Grinsen auf dem Gesicht zog ich mich wieder in die restliche, anspruchsvollere Welt der Nachrichten-Online-Portale zurück. Was hatte ich schon mit den abgestumpften Porletariern zu tun, die nach jämmerlicher Befriedigung suchten, indem sie schlüpfrige Online-Seiten durchstöberten? Nichts? Falsch gedacht. Beim Blick in meine Blogstatistik – genauer gesagt auf die Suchbegriffe, die offensichtlich direkt in Chrissi’s Welt geführt hatten – öffneten sich ungeahnte Abgründe. Da stand es: „Matschige Fotzen“. Das musste ein schlechter Scherz sein. Solch eine Schlagzeile würde schließlich noch nicht einmal die BILD drucken. Vor meinem inneren Auge spielten sich gruselige Szenarien ab – dickbäuchig, notgeile alte Säcke im Feinripp-Unterhemd, die sich sabbernd durch mein kleines Online-Reich wühlten. Wer wohl die anderen aufgelisteten Suchbegriffe wie „chrissi sex“, „frauen auf den hintern geschaut“ und „frauen stöhnen“ eingetippt hatte? Ich wollte es mir lieber nicht ausmalen.

Ja, sie hatte mich mal wieder eiskalt erwischt – die Realität. Und ich musste ihr ins Auge sehen – oder sollte ich besser sagen in die „matschige fotze“? Ich war mitten drin – in der Welt der tausend Dinge, die die Welt nicht braucht, und gehörte offensichtlich dazu. Suchbegriffe wie „Gesellschaft“, „Politik“ oder „Jugend“? Fehlanzeige. Da war ich nun – abgedrängt in die Ecke der schlüpfrigen Appetithappen. Aber gut, inzwischen wissen wir: „Sex sells“ und hin und wieder erfahren schließlich selbst BILD-Leser mal etwas Nützliches – zum Beispiel, dass Erwin Huber und Günther Beckstein wahrscheinlich gerade gemeinschaftlich ins Kopfkissen weinen. Vielleicht verhält es sich in Chrissi’s World ja ähnlich…

Kategorien: Chrissi · Sex
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