Ohne Mama kein Weihnachten? Oder doch eher „mit Uni keine Weihnachtsstimmung“? Jedes Jahr das gleiche Spiel – während die Ü50-Generation fleißig die Räuchermännchen im Wohnzimmer platziert, alle Welt das berühmte Hüftgold mittels gebrannten Mandeln und Lebkuchenherzen aufstockt und sämtliche Magazine mal wieder die Top-List der kultigsten Weihnachtsgeschenke veröffentlicht, frage ich mich: Wo ist sie hin – meine Weihnachtsstimmung?
Seit über drei Jahren geht das nun so. Weihnachtsstimmung gleich Null. Und da war doch was. Genau. Vor 3,5 Jahren – ich als frischgebackenes Uni-Greenhorn. Sieht so aus, als hätte ich den Studentenausweis gegen meinen Sinn für Romantik – oder zumindest meinen Sinn für das Fest der Liebe – eingetauscht. Doch woher der plötzliche Weinachtsfrust? Schließlich gab es Zeiten, da machte Weihnachten noch Spaß. Zu Grundschulzeiten zum Beispiel – da haben wir bunte Bilder mit bärtigen Weihnachtsmännern gemalt. Zu Hause hat Mama dann den Tannenbaum geschmückt und emsig Plätzchen ausgestochen. Ja, selbst beim Praktikum nach der Schulzeit fand sich unter den Kollegen immer jemand, der dem Weihnachtsfieber erlegen war und Spekulatius und kleine Schokonikoläuse ins Büro schleppte. Doch wer erinnert einen an der Uni daran, dass Weihnachten vor der Tür steht? Niemand. Statt Weihnachtsbummel gibt’s Vorlesungen, statt Glühwein den dünnen Mensakaffee und wenn irgendwas nach Kiefer riecht, dann ist das allerhöchstens das penetrante Parfüm des Kommilitonen neben mir. „Was schenkst du denn so zu Weihnachten“, frage ich eine Kommilitonin. „Weiß ich nicht, hatte ich noch keine Zeit für. Du, aber sag mal – wie ist das mit unserem Referat, wie weit bist du schon?“, lautet ihre Antwort. Na prima. Was Froteesocken im Bett sind, ist der Campus in Sachen Weihnachten – ein einziger Liebestöter.
Auch meine Versuche, mir Weihnachten in die kleine Studentenbude zu holen, sind bisher kläglich gescheitert: Mein Kühlschrank hat seit zwei Wochen Glühwein aus dem Tetrapack im Angebot. Der Geschmackstest wurde mit dem Urteil „lausig“ abgeschlossen. Im Fenster hängt ein Plastikstern, den mir Mama mit den Worten „Damit du’s auch ein bisschen schön hast“ überreichte. Geleuchtet hat der noch kein einziges Mal.Grund: Der Weg in den Baumarkt, um das nötige Verlängerungskabel zu besorgen, hat sich angesichts von Vorlesungszeiten und mangelnder Motivation zur unüberwindbaren Hürde entwickelt. Auch die Lebkuchen wollen trotz Schokoüberzug nicht zu entsprechenden Hormonausschüttungen führen.
Was tun? Das, was die meisten Studis über Weihnachten machen: ab nach Hause! Schon jetzt darf ich mich auf jede Menge Kalorienbomben, die Uralt-Schallplatten und Schnappatmung dank einer Überdosis Räucherkerzchen freuen. Und mit ein bisschen Glück komme ich doch noch in Stimmung und finde das Ganze sogar schön. Denn ohne Mama kein Weihnachten und mit Uni erst recht nicht.
Bildquelle: photocase
2 Antworten bis hierher ↓
thearcadier // Dezember 18, 2008 um 9:01 |
Ich lese ja eigentlich immer gerne hier, aber selten hat ein Artikel bei mir so dermaßen ins Schwarze getroffen wie dieser. Ganz genau so geht es mir auch. Mal sehen, ob ich das mit der Stimmung noch bis Heiligabend hinkriege. Am besten drücken wir uns beide die Daumen…
Als Anstoß wünsch ich schon mal Frohe Weihnachten!
chrissi2411 // Dezember 20, 2008 um 8:24 |
Japp, ich drück ganz fest mit
Wünsch dir auch Frohe Weihnachten und falls wir vorher nicht nochmal über die Blogwelt kommuniezieren sollten, natürlich auch einen guten Rutsch