Angela Merkel hat ein Machtwort gesprochen. Eine Erklärung hat sie außerdem gefordert. Und zwar zu Recht. Wenn der Papst sich entscheidet, einen Holocaust-Leugner in die katholische Kirche aufzunehmen, dann sind ein paar klare Worte wohl das Mindeste. In der Jungen Freiheit war heute allerdings zu lesen, dass das einige Katholiken offensichtlich ganz anders sehen. Merkel sei für Katholiken nicht mehr wählbar, verkündete der Freiburger Theologieprofessor Hubert Windisch. Sie habe ihr Amt missbraucht, sei eine Anti-Papst-Kanzlerin und ein Wolf im Schafspelz noch dazu…
Eine Forderung an den Papst himself – das passt so manchem Katholiken scheinbar nicht in den Kram. Und Hubert Windisch schon gar nicht: „Weiß sie denn nicht, wie oft und wie deutlich der Papst zum Holocaust Stellung genommen hat?“, fragt der Theologe in seinem Artikel für das Internetportal Kath.net. Dann frage ich: Was wollen wir mit einem Gottesvertreter, der Wasser predigt und Wein trinkt? Erzählen kann auch der Papst viel. Wenn er diesen Worten aber keine entsprechenden Taten folgen lässt, so sollten auch „Weltliche“ das Recht – ja sogar die Pflicht – haben, das auch offenkundig zu kritisieren.
Und Kritik ist in diesem Fall wirklich mehr als angebracht: Mit Richard Williamson will Benedikt XVI. nämlich einen Bischof rehabilitieren, der behauptet, Gaskammern habe es zur NS-Zeit nicht gegeben und außerdem seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden.
Doch genau mit dieser (Papst-)Kritik lässt Merkel laut Windisch das „C“ ihrer Partei abschmelzen und trage zur Hetzmentalität der Medien bei. Wenn hier jedoch jemand hetzt, dann ist das wohl der Theologieprofessor. Und da der ja offensichtlich rhetorische Fragen unheimlich redegewandt findet, stelle ich ihm jetzt auch gleich eine: „Wissen Sie denn nicht, wie deutlich die Kanzlerin zum christlichen Glauben Stellung bezogen hat?“ Sicher wissen Sie das. Schließlich scheinen Sie die Weisheit ja mit Löffeln gefressen zu haben. Und dann wissen Sie garantiert auch, dass Angela Merkel nach ihrem Besuch bei Papst Johannes Paul II. im Juni 2003 Gott sogar in der EU-Verfassung aufnehmen wollte. Ich muss schon sagen – das spricht schon sehr dafür, dass diese Frau rein gar nichts mit dem christlichen Glauben am Hut hat, nicht wahr?! Wer hat da denn bitte welchen Pelz an? Ist Hubert Windisch nicht eher das Schaf, das einen auf bösen, brüllenden Wolf macht?
Aber mal im Ernst – ich persönlich halte es ja schon für völligen Unsinn, so etwas wie einen „Stellvertreter Gottes auf Erden“ zu haben. Denn wer sich fragt, wie es eine Kanzlerin wagen kann, den „Heiligen Vater“ zu kritisieren und zu etwas aufzufordern, sollte der sich nicht genauso fragen, wie es die Menschen bzw. die Katholiken wagen können, einen Sprecher Gottes zu wählen? Schließlich ist auch der Papst nur ein Mensch und Menschen irren, machen Fehler und sind daher auch anzuzweifeln.
Die berechtigten Zweifel bezüglich der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Williamson scheinen inzwischen endlich auch im Vatikan angekommen zu sein. Der erzkonservative Brite wurde nun von der katholischen Kirche aufgefordert, seine Thesen zu widerrufen – andernfalls wird er nicht wieder als Bischof eingesetzt.
1 Antwort bis hierher ↓
Simon Löschke // Juli 23, 2009 um 1:04 |
Leider sehr ungenau recherchiert!
„andernfalls wird er nicht wieder als Bischof eingesetzt.“ Williamson wurde gültig, aber nicht erlaubt geweiht und hatte nie eine offizielle Postion in der Kirche inne. (Verweis auf den Brief:
http://www.welt.de/politik/article3358780/Der-Papst-Brief-im-originalen-Wortlaut.html)
Und anscheinend kennst du auch nicht wirklich den Hintergrund zur Merkelkritik.
Man muss den Akt der Exkommunikation von den Inhalten trennen. Williamson wurde wegen der Bischofweihe exkommuniziert. Nicht wegen irgendwelchen Äußerungen. Die Aufhebung der Exkommunikation gegen Williamson überlagerte sich mit dessen Äußerungen, die er zuvor nicht öffentlich bekundet hat. Merkel hat einen Verwaltungsakt kritisiert, mehr nicht.
Übrigens lässt sich auch bei Merkel feststellen, dass sie Wasser predigt und Wein trinkt. Richtig, in der EU-Verfassung wollte sie Gott drin haben. Aber beim Lissabon-Vertrag plötlich nicht mehr. Ach, und eine Gleichberechtigung von Religions- und Ethikunterricht hat sie auch nicht wirklich unterstützt.