Chrissi’s World

Wenn Ahnungslose voller Hass in den Krieg ziehen…

Februar 6, 2009 · 3 Kommentare

kriegZum Nahostkonflikt hat so ziemlich jeder eine Meinung, alle interessieren sich dafür. Komischerweise. Warum komischerweise? Weil sich für den Kongokrieg – der Konflikt mit den meisten Todesopfern (5.4 Millionen) seit dem 2. Weltkrieg irgendwie kaum jemand erwärmen kann. Warum das so ist, dazu gibt es verschiedene Thesen. Manche behaupten, es läge an der Einstellung gegenüber Afrika. Getreu der Devise „Ach, das ist doch nur Afrika – ein uninteressanter Kontinent. Dort ist der Krieg und das Sterben so normal wie bei uns das tägliche Zähneputzen. Und  identifizieren können wir uns mit denen erst Recht nicht“. Andere hingegen behaupten, das weltweite Interesse am Nahostkonflikt sei aufgrund des latenten und andauernden Antisemitismus so hoch. „Sobald es um Juden geht, fühlt sich jeder angestachelt, dazu etwas zu sagen. Das ist das alte unterbewusste Feindbild“, so ein Antifaschist. Dass er mit dieser Vermutung nicht ganz Unrecht haben könnte, belegt ein Artikel von Tanja Dückers…

„Es war nur eine kleine Episode am Rande, die dennoch viel über die derzeitige Stimmung in Deutschland aussagt: Als kürzlich wütende Demonstranten in Duisburg eine Israel-Fahne an einem Fenster entdeckten, stürmte die Polizei die Wohnung, um die Fahne unter dem Jubel der Menge zu entfernen. Fast zeitgleich protestierten Tausende in Berlin gegen den Krieg im Gaza-Streifen unter Rufen wie „Tod, Tod, Israel“, „Juda verrecke“ oder „Bombardiert Tel Aviv“. Niemand schritt ein, niemand empörte sich – auch nicht die Polizei, die die Demonstration eskortierte.

In vielen anderen deutschen Städten spielten sich ähnliche Szenen ab. In Mainz verjagten Teilnehmer einer antiisraelischen Kundgebung Gegendemonstranten, die israelische Flaggen mit sich trugen, unter Rufen wie „Ihr Judenschweine!“ In Hannover wurden auf einer Demonstration israelische Fahnen verbrannt, in Kassel Stände auf einer pro-israelischen Veranstaltung tätlich angegriffen. Gleichzeitig wurden auf vielen Demonstrationen Porträts von Hamas- und Hisbollah-Chefs geschwenkt.

Es scheint, als ob sich bei den Protestaktionen der vergangenen Wochen vielmals nicht so sehr der Wunsch nach Frieden im Nahen Osten artikulierte, sondern eher der Hass auf Israel und die Juden. Offenbar können diese alten Ressentiments heute in Deutschland und Europa wieder mit größter Selbstverständlichkeit zum Ausdruck gebracht werden – so offen wie wohl noch nie in der Nachkriegszeit. Auch aus Frankreich, Belgien, Schweden und Dänemark werden Übergriffen auf Juden und Anschläge auf Synagogen gemeldet. Großbritannien verzeichnet einen Rekord an antisemitischen Vorfällen. In Deutschland seien israelische und jüdische Einrichtungen und Personen „jetzt besonders stark gefährdet“, warnte jüngst Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm“, heißt es in dem ZEIT-Artikel.

Wenn es um den Nahost-Konflikt geht, fällt die Schwarz-Weiß-Malerei so manch einem besonders leicht. Immerhin sprechen die Bilder in den Medien, die der Verblendete für eine objektive Wiedergabe der Wirklichkeit hält, zumeist eine klare Sprache: Viele Tote auf der Seite der Palästinenser versus das böse starke Israel, das mit seiner militärischen Übermacht die Zivilbevölkerung auf der anderen Seite ins Elend stürzt. Und ein Elend ist es tatsächlich. Auf beiden Seiten. Doch wer meint, sich klar positionieren zu können, sollte sich zuerst einmal angemessen über die Hintergründe dieses komplizierten Konflikts informieren und anschließend eine Debatte führen, die nicht nur von überkochenden Emotionen und wutentbrannten Hetzparolen geleitet ist.

Besonders traurig ist es natürlich, wenn sich selbst manche Medien auf das Schwarz-Weiß, Gut-Böse-Spiel einlassen. Bestes Beispiel: Die NDR-Sendung Extra 3 mit Tobias Schlegl. Da mochte man bisher die Ironie und den Sarkasmus des Herrn Schlegl durchaus zu schätzen wissen, doch inzwischen hat er bewiesen, dass er die Grenze zwischen Humor und Geschmacklosigkeit nicht zu ziehen weiß. Soetwas ist auch in einer „Satire-Sendung“ nicht mehr zu rechtfertigen:

Und hier noch eine kleine Basic-Einführung von Youtube – ganz schön und verständlich gemacht, wie ich finde (wenn auch längst nicht ausreichend):

Kategorien: Gesellschaft
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3 Antworten bis hierher ↓

  • sassy // Februar 8, 2009 um 9:42 | Antworten

    ui danke für den kurzen überblick in form des youtube videos und wer hätte es gedacht: die briten sind schuld:)

  • christopher robin // Februar 10, 2009 um 8:02 | Antworten

    ein bisschen kurz der artikel, aber ansonsten ganz ok, zum weiter lesen empfele ich den artikel in der konkret von februar. seite 12 bis 14.

    das erste video ist reichlich dumm, sorry extra 3 war mal ok, aber nach so nen dreck kann man nicht mal mehr die 3 sich reinziehen.

    das zweite video ist mir persönlich viel zu kurz und vernachlässigt wichtige ereignisse und personen zu bennen, (plo, 3 tage krieg, arafat, libanon krieg, 1. und 2. intifada. …..) ich glaub da könnte es selbst bei youtube bessere videos geben.

    hugs
    a

  • chrissi2411 // Februar 10, 2009 um 9:33 | Antworten

    Ja, kurz. Weil ich es – wie in dem Artikel beschrieben – für gefährlich halte, mit Halbwissen um sich zu schmeißen. Und da man dem Nahostkonflikt wohl ein ganzes Studium widmen könnte (das ich nicht habe), möchte ich eben nicht mit Halbwissen glänzen, sondern lediglich vor solchem warnen. Falls du bessere Youtube-Links hast – nur her damit :) Dass dieses nicht ausreichend ist, hatte ich ja auch geschrieben. Dennoch sind erste Basics enthalten, die manchem Schlaumeier schon mal verklickern dürften, dass dieser Konflikt so weit zurückreicht, so dass nicht einfach ist, mal eben zu urteilen – nur weil die Bilder eben gerade sehr für die eine oder die andere Seite sprechen.

    hugs back mister a.s. :D

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