„Gebt den Kindern das Kommando“, trellerte Herbert Grönemeier in seinem Musiktitel „Kinder“. Hätte er damals bereits gesehen, wie eine von Kindern regierte Welt aussieht, hätte er seinen Liedtext wohl nochmal überdacht. Mordrohungen, Brutalität, Gemeinheiten, Zigaretten, Geschrei und jede Menge Tränen – das war das Ergebnis eines Experiments des britischen Senders „Channel Four“. Insgesamt zehn Jungen und zehn Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren steckte der Sender in ein Haus – ganz ohne Erwachsene. Komplett sturmfrei. Doch der Traum eines jeden Kindes entwickelt sich zum Horrorszenario…
Ja, Kinder sind ehrlich und genau deswegen manchmal so unglaublich grausam. Sie zeigen nicht nur ihre netten, sondern eben auch ihre dunklen Seiten in voller Pracht. Das Mini-Big-Brother mit dem Titel „Boys And Girls Alone“ sollte eigentlich zwei Wochen dauern. Allerdings wurde das Ganze bereits nach zwei Tagen abgebrochen. Die Kinder, die alleine einkaufen, kochen, aufräumen und ihr Leben regeln sollten, gerieten innerhalb kürzester Zeit außer Rand und Band. Mädchen und Jungs lebten jeweils in getrennten Häusern. Resultat: Im Mädchenhaus gab es Morddrohungen, im Jungenhaus wurde ein Messer gezückt. Gehauen und getreten, geschrien und geweint wurde selbstverständlich auch jede Menge. Ausgestrahlt wird die Kinder-Horrorshow in vier Episoden – allerdings wohl ohne die pikanten Szenen, wie die mit dem Messer.
Dass das Ganze irgendwie nicht so lustig war, wie es sich die kleinen Biester vorgestellt hatten, bemerkten die schnell selbst. “Wir sind von unseren Eltern weggegangen, um Spaß zu haben, aber es ist kein Spaß. Es ist ein Albtraum”, sagt eines der Mädchen.
Die Eltern der Kinder durften das Ganze über Kameras beobachten und waren geschockt, wie sich die kleinen „Prachtstücke“ entwickelten. Aus den kleinen Engeln wurden große Monster. Bald entschieden sie sich, die Sache abzubrechen. Doch damit war nicht jedes der Kinder einverstanden, wie „Mirror“ berichtete: „Finally the parents decided to intervene. But Matthew reacted violently to his parents. Mum Liz said yesterday: ‘The producers allowed us in and Matthew hit his dad twice. He punched me too, demanding to come home.’“
Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass es tatsächlich Eltern gibt, die ihre Kinder in einer derartigen Show zur Schau stellen und sich selbst überlassen, verteidigte Channel Four das Ganze auch noch – und das obwohl man die Sendung wohl mehr als nur als einen „Schuss in den Ofen“ bezeichnen könnte. Die Show habe die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen hervorgehoben, hieß es Seitens des Senders. Ja, sogar von positiven Ergebnissen und erhellenden Momenten faselt der Channel-Four-Sprecher. Na prima! Mädchen drohen nur, Jungen greifen zum Messer? War das der angestrebte Erkenntnisgewinn? Eine Gefahr habe natürlich nie bestanden, heißt es außerdem von Channel Four. “The children were monitored at all times and were never in any danger“, so der Sprecher. Ja, lebend haben sie das Haus tatsächlich alle verlassen. Dass sie diesem Experiment jedoch ohne psychische Schäden entkommen sind, kann wohl niemand mit Sicherheit behaupten.
Da wussten sie noch nicht, was sie erwarten würde:
Bildquelle: photocase
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