Ist das Sarkasmus, Zynismus oder doch nur ein schlechter Scherz? Vor einigen Tagen rief Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse doch tatsächlich „alle Bevölkerungsgruppen und Parteien zur nationalen Einheit auf und appellierte an die Flüchtlinge im Exil, angesichts des bevorstehenden „würdevollen Friedens“ in ihr Heimatland zurückzukehren“, berichtete die Deutsche Welle. Von würdevoll kann bei einem Konflikt, der bereits 70.000 Menschenleben gefordert hat, wohl kaum die Rede sein. Und von Frieden erst Recht nicht, denn eine Feuerpause und Verhandlungen mit der tamilischen Rebellenorganisation LTTE lehnt die Regierung kategorisch ab. Gekämpft wird, bis die Rebellen kapitulieren – koste es so viele Zivilistenleben, wie es wolle…
Der Bürgerkrieg tobt in Sri Lanka und das schon über 25 Jahre. Die Kontrahenten: Die Regierung gegen die Rebellenorganisation LTTE (Tamil Tigers), die sich für die Unabhängigkeit der unterdrückten Tamilen auf Sri Lanka einsetzt. Dass auch die Tamilen-Guerilla viele Gräueltaten verübt hat, braucht niemand zu verheimlichen. Dennoch sucht der derzeitige bedingungslose Agriffskrieg der singhalesischen Regierung gegen die Rebellen seinesgleichen. Die Rebellen sind eingekesselt und mit ihnen schätzungsweise 250.000 Zivilisten. Diese werden bei den Militärangriffen zu Hunderten getötet und verletzt. Und zu allem Überfluss haben die Regierungstruppen nun auch noch das letzte richtige Krankenhaus im LTTE-Gebiet zerstört.
Viele sprechen von einem Völkermord. So auch der Dortmunder evangelische Superintendent Paul-Gerhard Stamm. Ihm lägen Augenzeugenberichte vor, dass Gebetsstätten und Ernährungszentren zerstört worden seien. Unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit beginne in dem Land „ein von der Regierung gewolltes Aushungern großer Teile der tamilischen Bevölkerung“ (Quelle: idea).
Menschen hungern, sterben, werden gefoltert und doch schaut ein Großteil der Welt weg. Es scheint Wichtigeres zu geben. Zumeist sind es die Exil-Tamilen in aller Welt, die auf Demonstrationen das Ende des „Völkermordes an den Tamilen“ fordern. So auch der Exil-Tamile Sinthujan Varatharajah, der die Situation des Inselstaates im Obermain Tagblatt folgendermaßen beschreibt: „Ermordungen, Massaker, Entführungen, Vergewaltigungen, willkürliche Verhaftungen und das „Verschwinden lassen“ sind schon seit der Unabhängigkeit des kleinen Inselstaates von der Größe Bayerns im Jahre 1948 Teil des Alltags geworden.“ Eine weitere Exil-Tamilin schildert ihre Sicht der Dinge hier.
Ja, man mag ja über vieles diskutieren können und es ist wichtig, dass endlich über Sri Lanka diskutiert wird, aber von einem würdevollen Frieden kann in diesem Fall weiß Gott keine Rede mehr sein – das ist dann wohl mehr als nur ein übler Scherz.
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