Um Chrissi’s World ist es ruhig geworden innerhalb der letzten Stunden, Tage, Wochen. Nun könnte ich behaupten, ich hätte mir die Zeit in Greenpeace-Sitzungen vertrieben, in denen wir grünen Seelen nach einem passenderen Namen für die Schweinegrippe gesucht haben – weil die armen Tiere ja nun auch nichts dafür können. Ja, auch die Ausrede, ich hätte mich aus Angst vor sozialen Unruhen in den eigenen vier Wänden verschanzt, klingt irgendwie zeitgemäß. Oder wie wär’s mit: Die Wirtschaftskrise hat mich so hart getroffen – ich konnte es mir einfach nicht mehr leisten, Zeit fürs Bloggen zu verschwenden, denn Zeit – Zeit ist Geld, das ich nicht habe!? Aber „Lügen haben kurze Beine“, hat Mama immer gesagt. Also gibt’s jetzt hier die ganze Wahrheit, echter Enthüllungsjournalismus sozusagen…
Ein Grund, drei Buchstaben: NYC. Ja, Chrissi fliegt nach New York und das bedurfte selbstverständlich einiger Planungszeit. Warum ausgerechnet New York City? Voyeuristischer Sensationstourismus! Ich will sie mir anschauen – von Angesicht zu Angesicht mit der Pest der Neuzeit – diese Banker, Manager oder auch Heuschrecken genannt. Und dann? Dann werde ich selbstverständlich die faulen Tomaten, Eier und Farbbeutel aus der Tasche kramen und mich dank akkurater Wurfkunst zum Robin Hood des kleinen Steuerzahlers schießen. Allerdings befürchte ich, dass es mir doch etwas an Aggressionspotenzial mangeln wird.
Also sollte ich diesen Ausflug wohl doch lieber unter der Sparte „Konfrontationstherapie“ verbuchen. Wenn ich mir einen der letzten Blogeinträge vom Roten Hai durchlese, scheint mir diese Beschreibung ziemlich treffend. „Finanzkrise, Terrorismus, Islamismus, Schweinegrippe und Klimawandel“ stehen da ganz oben auf der Angst-Skala. Und in dieser Hinsicht sind das gleich fünf Fliegen mit einer Klappe. Auf der Wall Street werde ich den großen goldenen Bullen streicheln, am Ground Zero den Koran auspacken und zu Allah beten. Außerdem werde ich mich auf die Suche begeben – nach den 75 New Yorker Schülern mit dem Schweinegrippe-Virus und jedem Kind in Schuluniform ein Miss-Piggy-Kuscheltier schenken. Was ich gedenke gegen den Klimawandel zu tun? Ich stopfe Muffins in die Auspuffrohre sämtlicher New Yorker Yellow Cabs – sollen die doch alle laufen, ist eh viel gesünder!
Ja, so selbstlos habe ich meine Zeit innerhalb der letzten Stunden, Tage und Wochen verbracht. Pläne habe ich geschmiedet – darüber, wie ich das Elend dieser Welt bekämpfen werde. Natürlich könnte ich auch einfach zugeben, dass ich eigentlich viel mehr damit beschäftigt war, das passende Gepäckstück für meine Reise auszusuchen und meine Einkaufsliste minutiös zu planen. Genauso gut könnte ich gestehen, dass mir die ewig selbe Sensationsberichterstattung der vergangenen Tage dermaßen auf den Zeiger ging, dass es mir das Ganze einfach nicht Wert war, auch noch meinen Senf dazu abzugeben. Aber das wäre uncool und so gar nicht zeitgemäß. Und so findet auch eine Studentin, die in Zeiten der Wirtschaftskrise so ganz unzeitgemäß ihr Geld für dekadente Wochenendausflüge aus dem Fenster wirft, noch tausend gute Gründe für eben dieses Vorhaben.
Und wenn wir schon mal beim Thema „Zeitgemäß“ und „gute Gründe“ sind: In diesen ach so bitteren Zeiten wollen die Menschen laut Oliver Pocher vor allem eines – Lachen. Da Oliver Pocher meiner Meinung nach allerdings nicht wirklich die geborene Amüsiergarantie ist, habe ich für alle Daheimgebliebenen ohne Therapiestunde in NYC noch einen viel besseren und ganz ernst gemeinten Tipp: Am Donnerstag, 7. Mai, 20 Uhr gibt’s im Dortmunder Domicil die zweite Ausgabe der Poetry Slam Lesebühne mit Sebastian23, Andy Strauß, Sulaiman Masomi und Mischael-Sarim Vérollet. Prädikat: Sehenswert.
6 Antworten bis hierher ↓
thearcadier // Mai 3, 2009 um 12:04 |
Soso, du fliegst also so gar nicht klima-freundlich in der gegend rum *grins*.
Hab mich tatsächlich schon gefragt, was denn hier los sei, aber egal, nun weiß ichs ja. Im Gegensatz zu Dir hab ich mich mir die Sensationpresse der letzten Tage angetan und ich muss zugeben, dass es da schon einiges an Willensstärke kostet, um nicht doch noch den Verstand zu verlieren und ins allgemeine Angstgeschrei einzustimmen. Aber bisher hab ich mich noch erfolgreich gewehrt. Hoffen wir also, dass wir beide stark bleiben, denn diese Welt braucht dekadente Optimisten, sonst ist alles verloren. Also biste dabei?
Grüße
Thearcadier
chrissi2411 // Mai 3, 2009 um 12:37 |
Ja, aber selbst das habe ich natürlich bedacht und packe deswegen (und natürlich nur deswegen) – um den Flieger voll zu kriegen und das ganze somit weniger „sündhaft“ zu machen – meine beste Freundin auch noch ein
Aber danach bin ich natürlich wieder dabei – beim dekadenten Optimismus sowieso, beim Versuch bei Verstand zu bleiben oder einfach ausgedrückt: beim Bloggen
Thearcadier // Mai 3, 2009 um 1:00 |
Ach du fliegst erst noch? Na dann viel Spaß „dahinten“!
chrissi2411 // Mai 3, 2009 um 1:03 |
Ja, Ja – am Donnerstag geht’s los. Frauen müssen sowas lange planen und sind dann so aufgeregt, dass alles andere unter „minder wichtig“ abgelegt und zum Stillstand gebracht wird – Chrissi’s World musste, wie du bemerkt hast, auch dran glauben
Thearcadier // Mai 3, 2009 um 1:18 |
Oha, na dann hoffe ich mal für Dich, dass die Zeit in NYC kein Reinfall wird, wäre ja sonst zu ärgerlich. Ich erwarte dann natürlich auch einen Bericht darüber^^
chrissi2411 // Mai 3, 2009 um 6:28 |
NYC und Reinfall? Das nenn’ ich mal ne astreine Oxymora
Ich bin mir sicher, dass ich in nichts reinfallen werde – außer vielleicht in den Shoppingwahn…zumindest sagt mir das meine bisherige Erfahrung mit der Stadt, die niemals schläft